atomkraft_100Berlin. - Trotz ihres "neuen Atomkurses" will die deutsche Regierung bei der Exportförderung an ihrer Atomenergie-freundlichen Politik festhalten. Die Bundesregierung bleibe weiterhin bei ihrer Grundsatzzusage für eine Hermesbürgschaft für das brasilianische Atomkraftwerk Angra 3, kritisierte die Umweltorganisation "urgewald" am Freitag in Berlin. Bei der Außenwirtschafts-Förderung werde die nicht stattfindende Atom-Wende damit besonders deutlich.

"Die Bundesregierung hat eine Grundsatzzusage für eine Hermesbürgschaft erteilt, die den Bau des Risikoreaktors Angra 3 in Brasilien ermöglichen soll", erklärte Barbara Happe, Brasilienexpertin von urgewald. "Doch statt die Ereignisse in Japan zum Anlass zu nehmen, sich klar gegen die Förderung eines derart riskanten Projektes auszusprechen, laviert die Bundesregierung auch hier herum und beschränkt sich darauf, die brasilianische Regierung nochmals zu konsultieren. Dabei will diese den Ausbau ihrer Atomanlagen trotz Fukushima weiter vorantreiben."

Eine Grundsatzzusage sei rückholbar, wenn es eine wesentliche Änderung der Sach- und Rechtslage gibt, betonte urgewald. "Das Beispiel Fukushima zeigt, wie sehr das Restrisiko der Atomkraft und Fragen der Standortsicherheit bisher unterschätzt wurden. Das ist eine wesentliche Änderung der Sachlage und deshalb muss die Bürgschaft zurückgezogen werden", so Happe.

Das Parlament habe sich ebenfalls mit der Frage auseinander gesetzt, berichtete urgewwald. Die Oppositionsparteien hätten sich für die Rücknahme der Angra-Bürgschaft und die grundsätzliche Rückkehr zum Atomausschlusskriterium eingesetzt, was jedoch von der Regierungskoalition zurückgewiesen worden sei. "Das zeigt deutlich, dass die Bundesregierung in Punkto Hermes bei ihrem atomfreundlichen Kurs bleiben und weiter im Ausland den Ausbau dieser Risikotechnologie unterstützen will. Nur kurz vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz traut sie sich nicht, dies so offen zu sagen und zögert die Entscheidung hinaus, indem sie auf weitere Gespräche mit den Brasilianern und auf G20-Ebene zur allgemeinen nuklearen Sicherheit verweist", sagte Regine Richter, Energieexpertin von urgewald.

Angra 3 stelle jedoch gerade in den Punkten Reaktorsicherheit, Katastrophenschutz und Lagerung der radioaktiven Abfälle eine tickende Zeitbombe dar, betonte urgewald. So sei der geplante Reaktor ein altes Modell und nicht hinreichend gegen Auswirkungen von außen wie Flugzeugabstürze gesichert. Auch der Katastrophenschutz falle weit hinter internationale Standards zurück. Denn im Katastrophenfall sei lediglich die Evakuierung von Betroffenen im Umkreis von fünf Kilometern vom Kraftwerk vorgesehen und verkehrstechnisch realisierbar.

Die Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle gilt urgwald zufolge ebenfalls als enorm risikoreich, da sich die Anlagen in Küstennähe befinden.

 Diese grundsätzlichen Mängel führe auch das von Areva NP/Siemens in Auftrag gegebene Sicherheitsgutachten beim Institut für Sicherheitstechnologie (ISTec) auf, ohne dass die Bundesregierung dies in ihrer Entscheidung im letzten Jahr berücksichtigt habe.

Hermesbürgschaften werden Unternehmen gewährt, um diese in so genannten "schwierigen Märkten", besonders Entwicklungs- und Schwellenländern, gegen die Zahlungsunfähigkeit lokaler Besteller abzusichern. Von 2001 bis 2010 verboten die Hermes-Umweltleitlinien Bürgschaften für den Export von Nukleartechnologie. Die schwarz-gelbe Bundesregierung schaffte die Umweltleitlinien ab und vergab im Februar 2010 eine Grundsatzzusage über rund 1,3 Milliarden Euro für eine Hermesbürgschaft an Areva/Siemens zum Bau des AKW Angra 3.

www.urgewald.de

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