misereorAachen. - Anlässlich des Treffens der G20-Finanzminister in Washington hat das katholische Hilfswerk Misereor den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble aufgefordert, sich für eine stärkere Regulierung von Spekulationen auf Nahrungsmittel einzusetzen. Diese seien eine der entscheidenden Ursachen für den Anstieg der Lebensmittelpreise. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gehe von einem spekulationsbedingten Einfluss auf die Preissteigerungen von bis zu 20% aus.

"Milliarden von Menschen in Entwicklungsländern geben den größten Teil ihres Einkommens, ca. 60-80 Prozent, für Nahrungsmittel aus. Viele der ärmsten Länder wie Haiti, Bangladesch oder Mosambik sind zu großen Teilen auf Importe von Nahrungsmitteln angewiesen, so dass Preissprünge auf den internationalen Lebensmittelbörsen für die Menschen dort sofort durchschlagen. Die Hausse an den Börsen in Chicago und London drängt immer mehr arme Menschen weltweit in den Hunger", sagte Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik bei Misereor.

Schätzungen der Weltbank gehen davon aus, dass durch den extremen Anstieg der Nahrungsmittelpreise der letzten Monate 44 Millionen Menschen zusätzlich in bittere Armut abgerutscht sind. Bei vergleichbaren Preissprüngen vor drei Jahren hatte die Zahl der hungernden Menschen weltweit eine Milliarde überschritten und zu Hungerrevolten in mehr als 30 Ländern geführt.

"Wir erwarten von Finanzminister Schäuble, dass er sich aktiv für Maßnahmen einsetzt, die eine Hungerkrise nicht noch weiter zuspitzt. Dazu gehören die Begrenzung des Zugangs zu Warenterminmärkten für Indexfonds und die Einführung einer Börsenumsatzsteuer auf Rohstoffspekulationsgeschäfte, um eine Entschleunigung der Finanzmärkte herbeizuführen. Strengere Berichtspflichten zu börslichen und außerbörslichen Spekulationsgeschäften sind wichtig, reichen alleine aber nicht aus", so Bornhorst.

Im Februar lag der Preisindex für Grundnahrungsmittel der Agrarorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf einem Rekordhoch. Allein der Preis für Weizen war seit Mitte 2010 bis zum Februar dieses Jahres um nahezu 80% gestiegen, so Misereor. Nach einer leichten Erholung im März hätten Spekulationen auf Versorgungsengpässe mit Mais in den USA vergangene Woche zu einem erneuten Preisanstieg geführt. Im Gefolge sprang auch der Weltmarktpreis für Weizen erneut nach oben.

www.misereor.de

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