brasilien_kkw_angra_150Berlin. - Im Nordosten Brasiliens ist am Wochenende eine einwöchige Atomblockade zu Ende gegangen. Mehr als 3.000 Anwohner der brasilianischen Uranmine Caetité im Bundesstaat Bahia hatten einen aus São Paulo kommenden Atomtransport blockiert, weil die staatliche Atombehörde ihn geheimhalten wollte. Die Umweltorganisation urgewald fordert, dass die deutsche Bundesregierung aus diesem neuerlichen Skandal Konsequenzen für die Entscheidung über eine endgültige Hermesbürgschaft für das brasilianischen Atomkraftwerk Angra 3 ziehen müsse.

Die Anwohner der Uranmine Caetité hätten die Hauptzufahrtsstraße zu der Uranmine gesperrt, berichtete urgewald am Montag in Berlin. Die staatliche Atombehörde INB habe den Transport geheimhalten wollen, Gewerkschafter hätten aber davon erfahren und die Gemeinde Caetité informiert. Die Anwohner formierten sich dem Bericht zufolge zu einer "menschlichen Barriere" und blockierten die zwölf auf Lastwagen angelieferten Container mit Urankonzentrat aus dem Forschungsreaktor Aramar in São Paulo. Es soll in Caetité umgepackt und dann nach Europa zur Weiterverarbeitung verschickt werden.

Die Uranmine steht nach Angaben von urgewald seit Jahren in der Kritik, da hier zentrale Umweltauflagen verletzt würden. Nach Untersuchungen von Greenpeace aus dem Jahr 2008 verseuche sie das Trinkwasser von mehreren Tausend Menschen mit Uran bis zu siebenfach über den Grenzwert. "Die Blockade ist der bislang größte Anti-Atom-Protest in der Geschichte Brasiliens. Der Unmut der Bevölkerung richtet sich gegen die schlampig arbeitenden Atombehörden, die die Gesundheit der lokalen Bevölkerung fahrlässig aufs Spiel setzen", erklärte Barbara Happe von urgewald.

"Das ist ein weiteres Beispiel in einer ganzen Reihe von Umweltskandalen im brasilianischen Atomsektor in jüngster Zeit", sagte urgewald-Mitarbeiterin Regine Richter. Bereits Ende März habe es einen Eklat gegeben, weil das Atomkraftwerk Angra 2 seit zehn Jahren ohne endgültige Betriebsgenehmigung laufe. "Nicht erfüllte Auflagen, fehlende Genehmigungen, geheim gehaltene Atomtransporte, was will die Bundesregierung denn noch alles billigend hinnehmen, ohne die Bürgschaft für Angra 3 in Zweifel zu ziehen?", so Richter.

urgewald fordert, dass aus diesem neuerlichen Skandal Konsequenzen für die Entscheidung über eine endgültige Hermesbürgschaft für das brasilianischen AKW Angra 3 gezogen werden. Da es bisher erst eine grundsätzliche Zusage gebe, könne sich die Bundesregierung gegen die Vergabe einer endgültigen Bürgschaft entscheiden.

Hermesbürgschaften werden Unternehmen gewährt, um diese in so genannten "schwierigen Märkten", besonders Entwicklungs- und Schwellenländern, gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit lokaler Besteller abzusichern. Von 2001 bis 2010 verboten die Hermes-Umweltleitlinien Bürgschaften für den Export von Nukleartechnologie. Die schwarz-gelbe Bundesregierung schaffte die Umweltleitlinien ab und vergab im Februar 2010 eine Grundsatzzusage über 1,3 Milliarden Euro für eine Hermesbürgschaft an Areva/Siemens zum Bau des AKW Angra 3. Angra 3 ist der Zwillingsmeiler von Angra 2, der 2000 nach 25 Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde.

www.urgewald.de

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