aerzte_ohne_grenzenBerlin. - Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen beobachtet in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince seit Mitte Mai eine deutliche Zunahme der Cholera-Fälle. Die Teams mussten mehrere Cholera-Behandlungszentren wieder eröffnen, weil die bestehenden Einrichtungen in mehreren Vororten sonst die Behandlung der neuen Patienten nicht mehr bewältigt hätten. Auch an anderen Orten seien neue Ausbrüche der Krankheit gemeldet worden, berichtete Ärzte ohne Grenzen am Freitag in Berlin.

"Seit Sonntag hat Ärzte ohne Grenzen fast 2.000 Cholera-Patienten in Port-au-Prince behandelt. Zudem wurden wir gebeten, auch in anderen Gegenden im Landesinneren zu intervenieren", erklärte Einsatzleiter Romain Gitenet. "Die Arbeit muss besser aufgeteilt und koordiniert werden, um die Behandlungskapazität in Haiti auszuweiten. Zu viele öffentliche Einrichtungen sind noch immer unzulänglich."

Es sei äußerst wichtig, dass die Behörden und die humanitären Organisationen alle Kräfte mobilisieren, um das landesweite Überwachungssystem und die Behandlungseinrichtungen zu stärken, damit die Ausbreitung der Krankheit gestoppt werden kann. Eine sofortige Verbesserung der Hygieneeinrichtungen, des Abwassersystems und der Trinkwasserversorgung müssten zur nationalen Priorität erklärt werden, um die anfälligsten Menschen zu schützen.

"Wachsamkeit ist noch immer der beste Schutz", sagte Gitenet. "Die Menschen müssen strikt auf Hygiene achten und dürfen nur gereinigtes Wasser trinken. Sobald Cholerasymptome wie Erbrechen und Durchfall auftreten, ist es entscheidend, so schnell wie möglich ein Behandlungszentrum aufzusuchen. Cholera ist behandelbar, aber ohne medizinische Behandlung ist sie tödlich."

Bis Ende Mai sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in Haiti fast 5.000 von 300.000 Cholerapatienten gestorben. Drei Prozent der Bevölkerung seien an Cholera erkrankt, seit die Krankheit im Oktober ausgebrochen war. Obwohl seit Februar die Zahl der Erkrankungen rückläufig war, zeige sich jetzt, dass die Epidemie noch lange nicht überwunden ist.

Ärzte ohne Grenzen hat 130.000 Cholerapatienten in Haiti behandelt. Das sind 43 Prozent der Krankheitsfälle im Land. Sofort, nachdem die ersten Fälle im Oktober bestätigt worden waren, hatte Ärzte ohne Grenzen in neun von zehn Departements des Landes die Gesundheitseinrichtungen unterstützt.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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