aerzte_ohne_grenzenNew York. - Ärzte ohne Grenzen hat von den Regierungen auf dem UN-Aids-Gipfel in New York gefordert, die Zahl der HIV-Patienten, die eine Therapie erhalten, binnen vier Jahren um neun Millionen auszuweiten. Bisher werden 6,6 Millionen mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Eine neue Studie belegt, dass die Behandlung die HIV-Übertragungsrate um 96 Prozent reduziert und der Epidemie damit Einhalt geboten werden könnte. Dennoch gibt es starken Widerstand von einigen entscheidenden Geldgebern.

"Nach Wochen strittiger Verhandlungen geht es jetzt darum, ob sich die Regierungen auf das vorgeschlagene Ziel einigen werden, insgesamt 15 Millionen HIV-Patienten bis zum Jahr 2015 zu behandeln", sagte Sharonann Lynch, Aids-Spezialistin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Die Welt braucht ein ehrgeiziges Behandlungsziel und einen konkreten Plan, um dieses Ziel zu erreichen." Der UN-Gipfel zu Aids findet vom 8. bis 10. Juni in New York statt.

"In den vergangenen zehn Jahren haben wir beobachtet, dass die Behandlung das Leben unserer Patienten rettet. Jetzt wissen wir, dass ganze Gemeinden geschützt werden können, denn Behandlung ist auch gleichzeitig Prävention", erklärtee Tido von Schoen-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne, der schon im ersten HIV/AIDS-Behandlungsprojekt von Ärzte ohne Grenzen in Thailand gearbeitet hat. "Man würde die Realität verkennen, wenn man aus diesen Erkenntnissen keine politischen Maßnahmen ableiten würde und damit die Chance vergäbe, Neuinfektionen durch Behandlung wirksam einzudämmen. Der Aids-Gipfel hat es in der Hand, den Verlauf der globalen Aids-Epidemie entscheidend zu ändern."

Laut UNAIDS sind zusätzliche sechs Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2015 notwendig, um 12 Millionen Neuinfektionen und mehr als 7 Millionen Todesfälle bis zum Jahr 2020 zu verhindern. In den Jahren 2009 und 2010 sind die Mittel zur Bekämpfung von HIV/Aids allerdings zurückgegangen. Instrumente wie der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria und andere Programme verfügten über zu wenig Mittel, um der Strategie "Behandlung als Prävention" Rechnung tragen zu können, so Ärzte ohne Grenzen.

Ein weiteres Hindernis im Kampf gegen Aids könnte die Ausweitung des Patentschutzes auf Medikamente sein. "Die Regierungen müssen sicherstellen, dass Medikamente bezahlbar bleiben. Um dies zu gewährleisten, fordern wir von den westlichen Industrieländern, ihre Handelspolitik zu ändern und nicht weiter Produktion und Vertrieb von erschwinglichen Nachahmerpräparaten zu behindern", sagte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne in Deutschland.

Aktuell verhandelt die EU mit Indien über ein Freihandelsabkommen, das aus der Sicht der Ärzteorganisation "verheerende Folgen" für die Generika-Produktion in Indien haben könnte.

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 170.000 Menschen mit HIV / Aids in 19 Ländern mit antiretroviralen Medikamenten. Mehr als 80 Prozent der antiretroviralen Arzneimitteln, die in den Projekten verwendet werden, stammen von Generika-Herstellern in Indien.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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