gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat vor einer weiteren Destabilisierung Libyens gewarnt. "Libyen droht eine Berber-Revolte", sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. "Denn die neue Führung des Landes ist nicht bereit, den Einsatz von Berber-Milizen beim Sturz des Gaddafi-Regimes angemessen zu würdigen und grundlegende Rechte der nicht-arabischen Minderheit anzuerkennen."

Libyen drohe ein Rückfall in schlimmste Zeiten des Gaddafi-Regimes, wenn der Rassismus gegen Nicht-Araber und die Arabisierungspolitik nicht gestoppt würden, erklärte Delius. Seit Ende November gebe es immer mehr öffentliche Proteste der Berber gegen die Übergangsregierung Libyens. Am vergangenen Wochenende seien mindestens sechs Personen bei Kämpfen zwischen Berbern und der Nationalen Libyschen Armee sowie arabischen Milizen gestorben.

Besonders dramatisch war der GfbV zufolge ein Zwischenfall am Flughafen der Hauptstadt Tripolis am 11. Dezember. Eine Wagenkolonne des einflussreichen Armeechefs General Khalifa Hiftar habe eine Straßensperre einer Berber-Miliz durchbrochen, die seit August den Flughafen bewacht. Bei den dadurch ausgelösten Gefechten seien mindestens zwei Personen getötet worden. "Die Armee spielt den Zwischenfall zwar herunter, doch der Schusswechsel zeigt, wie wenig Berber-Milizen bereit sind, die Vorrangstellung der Armee anzuerkennen", sagte Delius.

Auch 190 Kilometer südlich von Tripolis war es am Wochenende zu Kämpfen zwischen der von Berbern dominierten Miliz aus der Stadt Zintan und Angehörigen des El-Mashasha-Clans gekommen, die überwiegend Gefolgsleute des Diktators Gaddafi waren. Bei den Auseinandersetzungen seien vier Menschen getötet worden, berichtete die GfbV.

Die nicht-arabischen Ureinwohner, die sich selbst nicht als Berber, sondern als Masiren bezeichnen, werfen Libyens Nationalem Übergangsrat laut GfbV vor, Gaddafis Arabisierungspolitik fortzuführen und die Berber zu ignorieren, obwohl sie eine treibende Kraft beim Sturz des Gewaltherrschers gewesen seien. So seien es die Masiren in dem westlich von Tripolis gelegenen Bergmassiv Djebel Nefoussa gewesen, die entscheidenden Anteil an der Einnahme der von Gaddafi kontrollierten Hauptstadt hatten. Auch bei den Kämpfen um die Städte Misrata, Zouara und Zintan hätten Milizen der Masiren eine entscheidende Rolle gespielt.

"Obwohl die Masiren rund zehn Prozent der Bevölkerung stellen, wurden sie bei der Regierungsbildung nicht berücksichtigt", stellt die GfbV fest. Mehrere Mitglieder in der neuen Regierung hätten Masiren schon während des Freiheitskampfes vorgeworfen, anti-arabisch zu sein und von Israel unterstützt zu werden. Bislang seien die neuen Machthaber Libyens nicht bereit, die masirische Sprache als gleichberechtigt mit dem Arabischen anzuerkennen.

www.gfbv.de

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