medicoBerlin. - Zwei Jahre nach dem schweren Erdbeben, das Haiti am 12. Januar 2010 erschütterte, berichten staatliche und nichtstaatliche Organisationen von Fortschritten beim Wiederaufbau des Landes. Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international befürchtet jedoch, Haiti bleibe "insgesamt in seiner Armutsstruktur verhaftet, auch wenn in unzähligen Projekten und Maßnahmen seit dem Erdbeben im Januar 2010 für viele Menschen Verbesserungen erreicht werden konnten."

So kritisierten haitianische Partner von medico international die kontinuierliche Entmächtigung haitianischer Institutionen und Initiativen beim Wiederaufbau der durch das Erdbeben zerstörten Regionen. Pierre Esperance, Direktor des haitianischen Menschenrechtsnetzwerkes RNDDH und medico-Partner, kritisierte, dass die internationale Hilfe von einer eigenen Agenda geleitet sei und erst in zweiter Linie die Interessen der Haitianer und Haitis berücksichtige. "Vieles hilft nicht, sondern verschlechtert die Situation. Die Handlungsmöglichkeiten für die haitianische Zivilgesellschaft sind nach dem Erdbeben kleiner geworden", so Esperance.

Angesichts der entsetzlichen Not, in der sich eine übergroße Mehrheit der Bevölkerung befindet, so medico-Sprecherin Katja Maurer, herrsche der pure Pragmatismus bei den internationalen Gebern. "Es gibt keine Konzepte, die den Weg aus der Armutsfalle weisen", so Maurer. Haiti bleibe einzig der Standort billiger Arbeitskräfte für zollfreie Industriezonen oder für die benachbarte dominikanische Republik. Man könne den Eindruck gewinnen, als seien die internationalen Geber, insbesondere die USA, Kanada und Frankreich, vor allen Dingen daran interessiert, die Fluchtbewegung aus Haiti unter Kontrolle zu halten. So berichteten haitianische Medien von fast täglichen Rückführungen hunderter von Flüchtlingen aus Nordamerika, was beschönigend "Repatriierung" genannt werde.

Solange die Wiederaufnahme der Flüchtlinge gewährleistet sei, könne sich die haitianische Regierung unter Martelly mit ihren Verbindungen zu den Kreisen um Ex-Diktator Duvalier vieles leisten, auch Überlegungen die Armee wieder aufzubauen, kritisierte medico. Deren Abschaffung sei eine der wichtigsten Errungenschaften des Demokratieprozesses in Haiti in den vergangenen 20 Jahren gewesen. Besonders beunruhigt sind zivilgesellschaftliche Partner von medico über die Tatsache, dass der ehemalige Diktator Duvalier sich frei in Haiti bewegen kann, statt sich für seine Verbrechen vor Gericht verantworten zu müssen.

www.medico.de

Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok