fianlogo_klKöln. - Die Beimischungsquote für Agrartreibstoffe (Stichwort "E10") führt zu Vertreibungen und Hunger in Afrika. Damit tragen EU und Bundesregierung zur Verletzung des Rechts auf Nahrung bei, fördern riesige Agrarplantagen und konterkarieren damit ihre eigenen Anstrengungen, Kleinbauern zu fördern und den dortigen Hunger zu bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechts-Organisation FIAN, die jetzt der Europäischen Kommission vorgestellt wurde.

Der UN Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, hob bei der Vorstellung der Studie in Brüssel hervor, dass die EU bei ihrer Biosprit-Gesetzgebung im Jahr 2009 (Renewable Energy Directive) von falschen Annahmen bezüglich der globalen Auswirkungen ausgegangen sei. "Die negativen Auswirkungen wie Landraub und Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind nicht mehr wegzudiskutieren", sagte Roman Herre, Agrarreferent von FIAN. "Die EU muss die Reißleine ziehen und die Zwangsbeimischung streichen." Vertreterinnen und Vertreter afrikanischer Bauernorganisationen forderten die EU auf, alle Anreize für eine globale Agrartreibstoffproduktion abzuschaffen.

Der Zusammenhang zwischen Landnahmen, dem so genannten Land Grabbing, und Agrartreibstoffen ist FIAN zufolge gewaltig. 66 Prozent aller großflächigen Landnahmen in Afrika würden getätigt, um Agrartreibstoffe zu produzieren. "Die EU fördert mit ihrem künstlich geschaffenen Markt diesen Landraub erheblich," so Roman Herre. "Anstatt die Automobilindustrie zu Autos mit etwas weniger Verbrauch zu verpflichten und so den Treibhauseffekt effektiv zu bekämpfen, werden Ackerflächen in Afrika für unseren Energiehunger okkupiert."

"Wir importieren nicht nur fertigen Biosprit, sondern auch jede Menge Soja oder Zuckerrohr, um das dann hier in Europa in Agrartreibstoffe umzuwandeln - das wird gerne verschwiegen", erklärte Roman Herre. So seien schon 2008 knapp 40 Prozent der Agrartreibstoffe in die EU importiert worden. 2010 habe die EU unter anderem Agrartreibstoffe aus Hungerländern wie dem Sudan und Kambodscha bezogen.

Europäische Investoren spielen bei der Landnahme in Afrika eine prominente Rolle. FIAN forderte die Bundesregierung daher auf, deutsche Investoren – Firmen und Finanzinvestoren – effektiv zu kontrollieren und zur Rechenschaft ziehen, falls diese in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.

Die Studie wurde im Auftrag der Plattform EuropAfrica erstellt. Die Studie sowie die Zusammenfassung der Ergebnisse und Empfehlungen stehen auf Englisch zum Download bereit: http://www.europafrica.info/en/publications/biofueling-injustice

www.fian.de

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