rog_logo_neuParis. - Der diesjährige Netizen-Preis von Reporter ohne Grenzen (ROG) geht an die Medienzentren der lokalen Koordinationskomitees in Syrien (Local Coordination Commitees, LCC). Ola Betersch nahm den mit 2.500 Euro dotierten Preis als Vertreterin der LCC in Paris entgegen. "Die Medienzentren der LCC stehen stellvertretend für alle Netzaktivisten und Bürgerjournalisten in Syrien, die enorme Risiken eingehen, um die Tragödie ihres Landes zu dokumentieren", erklärte ROG.

Die Zentren wurden unmittelbar nach Beginn der Unruhen in Syrien aufgebaut, um Nachrichten und Bilder von den Orten der Aufstände zu sammeln und Informationen aus erster Hand an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie werden nicht nur über die Hauptseite von LCC (www.lccsyria.org) verbreitet, sondern auch über soziale Medien (https://www.facebook.com/LCCSy und http://photoblog.com/lccsyria).

In den Zentren arbeiten ROG zufolge Bürgerjournalisten und Menschenrechtsaktivisten, deren Engagement angesichts der rigorosen Zensur in Syrien besondere Beachtung verdiene. Das Regime um Diktator Baschar al-Assad verwehrt internationalen Reportern und Nachrichtenagenturen den legalen Zugang zum Land, lokale Journalisten werden massiv von der Regierung bedroht.

Die 27-jährige Ola Betersch, die den Preis in Paris entgegennahm, hat nach dem Beginn der Protestdemonstrationen im März 2011 ihre Arbeit mit behinderten Kindern aufgegeben, um rund um die Uhr für die Koordinationskomitees zu arbeiten. "Wir stellen nicht nur einfach Meldungen online, sondern liefern auch entsprechende Beweise in Form von Fotos und Videos", erklärte die Aktivistin. "Wir versuchen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und konzentrieren uns auf das, was tatsächlich passiert."

Außer der LCC waren fünf weitere Netzaktivisten für den Netizen-Preis nominiert. Dazu gehörte das Team der russischen Wahlbeobachtungsorganisation Golos um Grigori Melkonjan. Golos hatte zu den Wahlen in Russland am 4. Dezember 2011 und am 4. März 2012 eine interaktive Karte veröffentlicht, auf der Bürger russlandweit Fälle von Wahlbetrug dokumentieren sollten. Die Seite KartaNarusheniy.ru wurde mehrmals angegriffen und vor der Wahl im Dezember zeitweise ganz aus dem Netz genommen.

Außerdem war der 26-jährige Blogger Maikel Nabil Sanad aus Ägypten nominiert. Er hatte kritisch über die Rolle des Militärs während der Revolution berichtet und war der erste Blogger, der nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak festgenommen wurde. Ein Militärgericht verurteilte ihn im April 2011 wegen Beleidigung zu drei Jahren Haft, am 25. Januar wurde er jedoch begnadigt und vorzeitig entlassen. Zu den weiteren Nominierten gehörten der brasilianische Blogger Leonardo Sakamoto und der 26-jährige Paulus Le Van Son aus Vietnam, der wegen seines kritischen Blogs seit August 2011 im Gefängnis sitzt.

www.lccsyria.org
www.reporter-ohne-grenzen.de

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