energielabel_100Berlin. - Ein breites Bündnis aus Verbraucher- und Umweltverbänden, Unternehmen, Gewerkschaften und Kirchen macht Druck für mehr Energie-Effizienz. In einem offenen Brief appellierte das Bündnis am Montag an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die europäischen Energiesparziele endlich umzusetzen. "Erst treibt die Bundesregierung ehrgeizige Klimaschutz- und Energiesparziele voran, dann aber, wenn es um die Umsetzung dieser Ziele geht, werden wirkungsvolle Maßnahmen und Gesetze verhindert", heißt es in dem Protestschreiben.

Anlass des Appells ist der Streit über die Energie-Effizienz-Richtlinie der EU, über die am Dienstag verhandelt wird. Vertreter des EU-Parlaments, der dänischen Ratspräsidentschaft und der Kommission kommen im sogenannten Trilog-Verfahren zusammen, um einen Kompromiss zur EU-Effizienz-Richtlinie auszuhandeln. Die Effizienz-Richtlinie ist eines der zentralen Vorhaben, um die europäischen Klimaziele zu erreichen – und gleichzeitig das umstrittenste.

Die von Deutschland und den Mitgliedsstaaten im EU-Rat eingebrachten Änderungsvorschläge ließen die europäischen Energiesparziele in unerreichbare Ferne rücken, heißt es in dem Appell von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutsche Unternehmensinitiative Energie-Effizienz (DENEF), Deutscher Naturschutzring (DNR), GEODE, Germanwatch, IG-Bauen-Agrar-Umwelt, Klima-Allianz-Deutschland, Verband Beratender Ingenieure (VBI) und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Erst kürzlich hatten die EU-Kommission und die dänische Ratspräsidentschaft vor einem Scheitern der Richtlinie gewarnt.

Bereits zu Beginn des Jahres hatten rund 40 führende Energiewissenschaftler in einem offenen Brief an die Kanzlerin und die Minister Rösler und Röttgen gewarnt, dass die Energiewende nur bei einer "dauerhaften Senkung des Energiebedarfs gelingen" werde. Nach dem Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen und EU-Energiekommissar Günther Oettinger melden sich nunmehr immer mehr Verbände zu Wort, die eine größere Entschlossenheit bei der Energie-Effizienzpolitik fordern.

Deutschland nehme mit einer Verwässerung der Effizienz-Richtlinie große Nachteile in Kauf, so das Bündnis. Es bezieht sich dabei auf Berechnungen der EU-Kommission. Demnach könnte eine Umsetzung der Richtlinie Bürger und die Wirtschaft in Europa jährlich von unnötigen Energiekosten in Höhe von 44 Milliarden Euro entlasten. Zugleich könnten 400.000 neue Arbeitsplätze und eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 34 Milliarden Euro jährlich entstehen. Europa könne zudem seine Abhängigkeit von Energie-Importen aus Krisenländern reduzieren.

Auch auf nationaler Ebene stecke die Effizienzpolitik fest, obwohl die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept die Energie-Effizienz zur "Schlüsselfrage" des Gelingens der Energiewende gemacht hat, so das Bündnis. Die Gebäudesanierung komme nicht voran, Fördergelder würden gekürzt oder verharrten auf niedrigem Stand. Investitionen in energieeffiziente Industrieanlagen würden zurückgehalten.

www.germanwatch.org

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