misereorAachen. - Das katholische Hilfswerk Misereor ist sehr besorgt über die gravierende Zunahme von gewaltsamen Konflikten in Zusammenhang mit dem Bergbau in Peru. So kamen in jüngster Zeit bei Protesten in Espinar zwei und der Region Cajamarca drei Menschen ums Leben. Scharf protestiert Misereor gegen die vorübergehende Festnahme des peruanischen Bergbaukritikers Marco Arana.

Wie Misereor am Donnerstag berichtete, saß Arana, der Gründer der Misereor-Partnerorganisation Grufides, am Mittwochnachmittag an einem Platz in der Stadt Cajamarca mit anderen Umweltaktivisten auf einer Bank, als sich "zahlreiche Polizisten auf brutale Art auf ihn stürzten und ihn abführten". Die Aktion sei von Passanten gefilmt worden im Internet zu sehen. Kurz darauf habe Arana aus dem Gefängnis heraus via Twitter berichtet, man habe ihn dort mehrfach geschlagen und beschimpft. Arana wurde später wieder freigelassen.  

Trotz des auf den ersten Blick glimpflichen Ausgangs dieses Vorfalls bewertet Susanne Friess, Misereor-Expertin für Bergbau und Entwicklung, die Aktion gegen Arana, Träger des Aachener Friedenspreises 2010, als sehr schwerwiegend. Der katholische Pater sei eine Schlüsselfigur im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen durch Bergbauunternehmen und genieße in ganz Lateinamerika hohes Ansehen.

Friess forderte die peruanische Regierung dazu auf, endlich einen Dialog mit der Bevölkerung über die Auswirkungen des Bergbaus zu beginnen. "Die Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung werden nicht ausreichend ernst genommen", kritisierte die Misereor-Expertin. Das sei etwa daran zu erkennen, dass die Bergbauunternehmen vor der Genehmigung von Bergbauaktivitäten zwar Umweltgutachten vorlegen müssten, diese von der Regierung aber lediglich als formeller Schritt betrachtet würden, die auf die Genehmigung der Rohstoffförderung keine Auswirkungen hätten.  

Schon seit vielen Jahren kämpfen Arana und Grufides für einen Abbau von Rohstoffen in Peru, bei dem Menschenrechte und Umweltaspekte stärker berücksichtigt werden. Im Zentrum seines Engagements steht seit Mitte der 90er Jahre die offene Tagebaumine Yanacocha, in der Gold gefördert wird. Aranas Organisation setzt sich für eine striktere staatliche Regulierung der Bergbauunternehmen in Peru ein und fordert die Anpassung von Umwelt- und Sozialstandards an internationale Normen.  

Sein Einsatz für Menschenrechte und Ökologie hat Arana viele Gegner eingebracht. Im vergangenen Jahr, so Misereor, wurde sein Auto auf offener Straße beschossen, und nur mit Glück kam der Umweltaktivist unverletzt davon. Seine gestrige Festnahme steht in Zusammenhang mit Protesten gegen das Bergbauprojekt Conga, das räumlich direkt an den Tagebau Yanacocha angeschlossen werden soll. Hier sollen durch die Goldförderung ein wichtiges Wassereinzugsgebiet und vier Lagunen zerstört werden.  

Friess wies darauf hin, dass in Peru innerhalb der vergangenen zwölf Monate bereits 15 Menschen bei Konflikten um den Bergbau getötet worden seien. Mehr als 12.000 Menschen seien in diesem Zeitraum verhaftet worden, so viele wie zuvor zusammengenommen in fünf Jahren. Mit großer Sorge beobachtet Friess, dass die Sicherheitskräfte in Peru bei Protesten gegen den Bergbau immer häufiger mit Waffengewalt gegen Demonstranten vorgingen, wie zum Beispiel auch der Konflikt in Espinar gezeigt habe. Die Misereor-Expertin sieht das Land an einem kritischen Punkt: "Wenn die Regierung die Forderungen und Rechte der Bevölkerung nicht stärker berücksichtigt, drohen sich die Konflikte um den Bergbau deutlich zu verschärfen. Schon heute gibt es auf 13,5 Prozent der Landesfläche Konzessionen für Bergbauaktivitäten."

www.misereor.de

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