Göttingen. - Das Urban Poverty Project der Weltbank ermöglicht es Gemeinden in Indonesien, selbst über die Umsetzung von Entwicklungshilfe-Projekten zu entscheiden. Laut einer Studie der Universität Göttingen werden diese Projekte eher für Zwecke der Allgemeinheit als für Zwecke zugunsten der ärmeren Bevölkerung genutzt, je größer der Einfluss der reicheren Bevölkerungsgruppen in der jeweiligen Gemeinde ist.

Die Autorin der Studie, Rivayani Darmawan, ist Doktorandin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. Das Global Development Network hat die 31-jährige Indonesierin für ihre Arbeit mit der "Medal for Research on Development" ausgezeichnet. Damit verbunden ist ein Preisgeld von 7.500 US-Dollar.

Rivayani Darmawan wertete in ihrer Studie "Elite Capture in Urban Society: Evidence from Indonesia" Daten des Urban Poverty Project der Weltbank aus. Dabei unterschied sie zwischen Entwicklungshilfe-Projekten, die den ärmeren Bevölkerungsschichten einen direkten materiellen Nutzen bringen – beispielsweise die Vergabe von Stipendien oder Zuschüsse zu Gesundheitskosten –, und zwischen Projekten, von denen die allgemeine Öffentlichkeit profitiert – beispielsweise der Bau von Straßen oder Abwasserkanälen. Dabei stellte sie fest, dass insbesondere in Gemeinden, in denen die Unterschiede zwischen armen und reichen Bevölkerungsgruppen sehr groß sind, häufig Projekte umgesetzt werden, von denen in erster Linie die Allgemeinheit profitiert und weniger solche, von denen nur die ärmeren Bevölkerungsgruppen direkt profitieren würden.

"Da in diesen Gemeinden die reichen Bevölkerungsgruppen einen großen Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben, bevorzugen sie Projekte, die auch ihnen nützen", erläutert die Autorin. "Die Armen können sich gegenüber den Reichen nicht durchsetzen." Dieses Phänomen wird auch mit dem Begriff der elite capture beschrieben.

Rivayani Darmawan promoviert an der Universität Göttingen an der Professur für Entwicklungsökonomik und wird von Prof. Stephan Klasen betreut. Begonnen hatte sie ihr Promotionsprogramm am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn.

Das Global Development Network ist eine unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Neu Delhi, die Wissenschaftler und Institute aus dem Bereich der Entwicklungsländerforschung miteinander in Kontakt bringt und Forschung in diesem Bereich finanziell fördert und prämiert. Der Preis wurde auf dem Weltjahreskongress der Organisation in Budapest vergeben.

wiwi.uni-goettingen.de

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