cop18_doha_100Berlin. - Die kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor erwarten von der deutschen Bundesregierung, dass sie sich beim Klimagipfel in Doha für ambitionierte Ziele und eine gerechte Lastenverteilung beim Klimaschutz einsetzt. Angesichts der vor allem in den Ländern des Südens bereits spürbaren Folgen der Erderwärmung müssten die Klimaziele der Europäischen Union verschärft und die Hilfen für die Anpassung an den Klimawandel konkret beziffert werden, erklärten die Hilfswerke.

Das evangelische Entwicklungswerk Brot für die Welt bezeichnet Doha als einen Übergangsgipfel. Mit dem Abschluss der 2. Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls gehe ein wenig erfolgreiches Kapitel zu Ende. "Der Klimawandel duldet keinen Aufschub. Wir erwarten von allen Staaten, aufeinander zuzugehen und nicht länger nationale Eigeninteressen in den Mittelpunkt zu stellen", sagte Thomas Hirsch, entwicklungspolitischer Beauftragter von Brot für die Welt.

Das Bündnis der EU mit den Entwicklungsländern sowie den Inselstaaten zeige, dass es eine starke Mehrheit für die globale Begrenzung der Emissionen und eine gerechte Lastenverteilung gebe. In Doha müsse jetzt der nächste Schritt erfolgen und ein verbindlicher Fahrplan verabschiedet werden, damit das Abkommen bis 2015 auch tatsächlich stehe.

"Deutschland beansprucht, Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Daher erwarten wir von Minister Altmaier in Doha konkrete Finanzierungszusagen sowie klare Absichtserklärungen zur Anhebung der unzureichenden EU-Klimaziele", so Hirsch. Nur so könne die Bringschuld gegenüber den Entwicklungsländern eingelöst und das Vertrauen wiederhergestellt werden. Die Blockadehaltung von Wirtschaftsminister Rösler gegen die Reparatur des Europäischen Emissionshandels habe dem internationalen Ansehen Deutschlands sehr geschadet.

"Wir fordern Gerechtigkeit, denn der Klimawandel wird immer mehr zur größten Ungerechtigkeit. Hunderttausende haben dieses Jahr wegen Dürren gehungert, ihre Habe in Stürmen verloren oder sinkende Inseln verlassen, ohne dass ihnen die Verursacher Zuflucht oder Ausgleich gewähren", erklärte Sabine Minninger, Klima-Referentin von Brot für die Welt.

"Von den USA und China als weltgrößten Volkswirtschaften und Emittenten erwarten wir Verantwortungsbewusstsein. Wer eine Führungsrolle beansprucht, muss dem globalen Klimaschutz durch konkrete Zusagen neue Impulse geben", so Minninger weiter. 

Diese Erwartung gelte auch für den Gastgeber Katar. Im Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen gebe es auch die höchsten Pro-Kopf-Emissionen. Mit der Bekanntgabe eines nationalen Emissionsreduktionsziels könne Katar Vorreiter im arabischen Raum werden.

BISLANG WENIG ERREICHT

"Was bisher erreicht worden ist, ist angesichts der vielen Menschen, die schon heute aufgrund der Erderwärmung ihre Ernten nicht mehr einfahren und ihre Kinder ernähren können, erschreckend wenig", erklärte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer beim katholischen Hilfswerk Misereor. Das Zeitfenster für internationalen und wirksamen Klimaschutz werde immer knapper. Ab 2015 müssten die Emissionen weltweit sinken. Heute sei der Anstieg jedoch rasanter denn je. "Diese große Herausforderung muss Ansporn sein. Die Vertragsstaaten müssen nun erst recht alles daran setzen, bis 2015 ein wirksames Klimaschutzabkommen zu verabschieden." Dieses müsse die Weltgemeinschaft dazu verpflichten, die Menschen, die unter dem bereits stattfindenden Temperaturanstieg leiden, zu unterstützen, so Spiegel.

Als Meilenstein müsse das Kyoto-Protokoll in Doha in eine zweite Phase überführt werden. Dieses umfasst Klimaschutzverpflichtungen der Industrieländer, die USA ausgenommen. "Die Industrieländer müssen voran gehen, da sie historisch eine große Verantwortung für den Klimaschutz haben und über ausreichend finanzielle und technische Mittel für den Klimaschutz verfügen. Aber um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssen auch die Schwellenländer einen umfassenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Das werden sie jedoch nur wollen, wenn die Ziele der Industriestaaten im Kyoto-Protokoll angemessen hoch sind und die vielen Schlupflöcher gestopft werden", so Spiegel.

Bei allen Klagen über den Unwillen der USA oder Russland dürfe aber nicht vergessen werden, dass auch Europa bisher nicht bereit sei, seinen fairen Anteil am Klimaschutz zu leisten. Die EU biete nur 20 Prozent Treibhausgasreduktionen bis 2020 gegenüber 1990 an. "Das ist die Hälfte dessen, was notwendig ist, und zudem fast erreicht. Es ist skandalös, dass der einstige Vorreiter für die nächsten 10 Jahre keinen weiteren Klimaschutz mehr anbietet und nicht einmal auf die seit langem diskutieren 30 Prozent erhöht!", erklärte Spiegel. "Dass ausgerechnet Deutschland dazu schweigt, weil Wirtschaftsminister Rösler kurzfristige Interessen einiger Industrievertreter verteidigt, ist angesichts der existenziellen Bedrohung für die Menschheit nicht hinnehmbar."

Bei den Verhandlungen in Durban müsse auch sichergestellt werden, dass Maßnahmen zum Schutz des Klimas nicht auf Kosten der Armen umgesetzt werden. "Der Schutz der Wälder sowie der Klimaschutz in der Landwirtschaft darf auf keinen Fall in einen internationalen Emissionshandel einbezogen werden. Land würde dadurch noch interessanter für internationale Investoren werden. Das könnte den globalen Trend des Landgrabbings weiter verschärfen", warnte Spiegel.

www.brot-fuer-die-welt.de
www.misereor.de

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