weihnachtsgeschichte fkp 150Berlin. - Eine andere Welt ist möglich - das ist nicht nur das Motto des globalisierungs-kritischen Netzwerks Attac, sondern nach Auffassung von Frank Kürschner-Pelkmann auch die eigentliche Weihnachtsbotschaft. Der Hamburger Autor beschreibt die Weihnachtsgeschichte in seinem aktuellen Buch als Auseinandersetzung mit einer globalen Macht, die einen "Weltmarkt" beherrscht und bis hin zur Religion das ganze Leben nach eigenen politischen und ökonomischen Interessen gestalten will.

Die so anrührende Geschichte von der Geburt des Kindes im Stall von Bethlehem ist – auch – eine Geschichte der Auseinandersetzung mit dem brutalen und übermächtig erscheinenden Römischen Reich. Deshalb werden Kaiser Augustus und König Herodes gleich zu Beginn dieser Geschichten erwähnt. Sie sind nach dem Verständnis der Verfasser der biblischen Geburtsgeschichten die Gegenspieler des kleinen Kindes, der später zu einem armen Wanderprediger werden sollte. Dies hat Frank Kürschner-Pelkmann in seinem gerade erschienenen Buch "Von Herodes bis Hoppenstedt – Auf den Spuren der Weihnachtsgeschichte" im Detail dargestellt.

Als Matthäus und Lukas ihre Evangelien einige Jahrzehnte nach der Ermordung von Jesus aufschrieben, waren der Kaiserkult des Augustus und das von seinen Propagandisten verkündete "Goldene Zeitalter" noch überall im Reich präsent. Das Römische Reich befand sich in seiner Blüte und war für damalige Verhältnisse eine globale Macht. Die Herrschaft der römischen Kaiser schien umfassend und "alternativlos" zu sein. Der Jesus, von dem die Bibel berichtet, war hingegen von den Römern als Terrorist gekreuzigt worden, und seine Anhänger standen im Ruf, Staatsfeinde zu sein.

In dieser Situation wagten es seine Anhänger, die Geschichte von Jesus als Gegengeschichte zur Verherrlichung von Kaiser Augustus und seinem Vasallen Herodes darzustellen. Es gibt eine Alternative zu den globalen Herrschern in Rom, lautete die aufrührerische Botschaft der Jesusbewegung und davon ließ sie sich auch durch alle Verfolgungen nicht abbringen.  

Frank Kürschner-Pelkmann ist überzeugt, dass wir dann, wenn wir das Leben und die Botschaften Jesu auf dem Hintergrund der damaligen "Globalisierung" betrachten, besser verstehen, was diese Botschaft in der heutigen Zeit der Globalisierung zu sagen hat. Diese Botschaft ist eine aufrührerische Botschaft geblieben, auch nachdem die Kirche sich gar zu häufig mit den politisch und wirtschaftlich Mächtigen arrangierte.

Die Befreiungstheologien im Süden der Welt haben inzwischen die Botschaft, die sich gegen ungerechte und willkürlich globale Herrschaftsstrukturen richtet, neu auf unsere heutige Zeit bezogen. In dem Buch "Von Herodes bis Hoppenstedt" wird die auf Befreiung ausgerichtete Grundhaltung der Texte von der Geburt und Kindheit Jesu herausgearbeitet und so ein neues Verständnis von Weihnachten ermöglicht.

Im zweiten Teil des Buches wird anschaulich dargestellt, wie das Verständnis der Weihnachtsgeschichte und das Feiern dieses Festes sich im Laufe der letzten mehr als eineinhalb Jahrtausende immer wieder verändert hat. Heute droht als Folge der totalen Kommerzialisierung der Sinn des Festes restlos verloren zu gehen. Loriot hat dies in seinem Film "Weihnachten bei Hoppenstedts" meisterhaft dargestellt.

Die Alternative besteht darin, zu den Wurzeln des Festes zurückzukehren und es als Einladung zu Neuanfang und einer anderen Globalisierung zu verstehen. "Frohe Weihnachten" steht dann für ein Weihnachten, bei dem man sich auf den Weg zu einer überlebensfähigen Alternative zu dem anscheinend übermächtigen politischen und ökonomischen Status quo macht. Eine andere Welt ist möglich – und das gerade Weihnachten, lautet eine Erkenntnis aus der Lektüre des Buches.

"Von Herodes bis Hoppenstedt – auf den Spuren der Weihnachtsgeschichte" von Frank Kürschner-Pelkmann ist im Tredition Verlag, Hamburg, erschienen, hat einen Umfang von 696 Seiten und kostet 36,80 Euro (als e-book 16,80 Euro). Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf der Website von Frank Kürschner-Pelkmann (www.kuerschner-pelkmann.de).


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