siBerlin. - Survival International hat Bundespräsident Joachim Gauck in einem offenen Brief dazu aufgefordert, sich bei seinem Staatsbesuch in Brasilien für die Rechte indigener Völker einzusetzen. Im Rahmen seiner Lateinamerika-Reise ist Gauck vom 13. bis 16. Mai in Brasilien und eröffnet gemeinsam mit Präsidentin Dilma Rousseff das deutsch-brasilianische Jahr.

Die Rechte indigener Völker, die in der brasilianischen Verfassung und in internationalem Recht verankert sind, würden in zahlreichen Fällen verletzt, klagt die Menschenrechtsorganisation Survival International in dem Brief an Gauck. Dadurch würden Tausende Angehörige indigener Völker in eine verzweifelte Situation gestürzt, darunter die Awá und die Guarani.

Es handele sich nicht um ein rein brasilianisches Problem, da auch deutsche Unternehmen an Projekten beteiligt gewesen seien und noch immer seien, so Survival International. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) habe beispielsweise in das Grande Carajás-Projekt investiert, das durch die Erschließung ihres Landes die Verfolgung der Awá eingeläutet habe. Die Awá seien heute eines der zwei letzten Jäger und Sammler-Völker Brasiliens und das bedrohteste indigene Volk der Welt.

Auch die Guarani im Bundesstaat Mato Grosso do Sul leben laut Survival International unter entsetzlichen Bedingungen, nachdem sie von ihren Gebieten vertrieben wurden, um Platz für Viehzucht sowie Zuckerrohr- und Sojaplantagen zu schaffen. Während sie darauf warteten, dass die Behörden ihre Gebiete demarkieren, lebten sie in überfüllten Reservaten oder am Straßenrand. Die Unterernährungs- und Selbstmordraten seien erschreckend hoch.

Am letzten Tag seiner Reise soll Gauck auch an einem Treffen zur deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung im Tropenwaldschutz teilnehmen. Es ist bekannt, dass indigene Völker eine Schlüsselrolle beim Schutz der Wälder spielen, wenn ihre Landrechte anerkannt werden. Doch auch diesen Rechten droht aktuell eine Schwächung, warnt Survival.

Während des Staatsbesuches sind in Sao Paulo und Rio de Janeiro Besprechungen zu den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft geplant. Gauck soll auch das Deutsch-Brasilianische Jahr eröffnen, mit dem eine Vielzahl gemeinsamer Projekte einhergehen.

"Der Staatsbesuch von Bundespräsident Gauck wäre eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Rechte indigener Völker in Brasilien anzusprechen", sagte Stephen Corry, Direktor von Survival International. "Eine deutsch-brasilianische Partnerschaft kann nicht darauf aufbauen wegzuschauen, wenn Brasiliens indigene Völker akut bedroht sind."

www.survivalinternational.de

 


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