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pro asyl 100Berlin. - Mit "Trauer, Wut und Empörung" hat Pro Asyl auf das Sterben von schutzsuchenden Menschen vor Lampedusa reagiert. "Europa schließt seine Grenzen und heuchelt dann Betroffenheit, wenn die Folgen des Ausbaus zur Festung sichtbar werden", sagte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. Pro Asyl fordert die Öffnung der Grenzen Europas für Flüchtlinge.

Nach Angaben der italienischen Küstenwache wurden bislang 111 Leichen geborgen. Die Behörden gehen davon aus, dass sich noch mehr als 100 Tote in dem gesunkenen Wrack befinden. Mehr als 300 Menschen könnten beim Kentern des Bootes umgekommen sein. 155 Flüchtlinge konnten lebend geborgen werden.

Die Toten vor Lampedusa seien "Folge der immer effektiveren Abriegelung der europäischen Außengrenzen", erklärte Pro Asyl. "In den letzten Monaten hatte die EU vor allem die Landgrenze zur Türkei für Schutzsuchende abgeriegelt. Damit wurde einer der wichtigsten Fluchtwege nach Europa verschlossen. Die Folge ist, dass Flüchtlinge nun wieder verstärkt auf den noch gefährlicheren Weg über das offene Meer ausweichen."

Angesichts dieser Tatsachen sei es "überaus zynisch, wenn nun angesichts der Toten EU-Kommissarin Cecilia Malmström eine noch härtere Grenzüberwachung fordert", kritisierte die Flüchtlings-Hilfsorganisation. Malmström habe über Twitter erklärt: "Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln im Kampf gegen Schleuser, die menschliche Hoffnungslosigkeit ausbeuten." Dies blendet nach Ansicht von Pro Asyl "die zentrale Verantwortung der EU und ihre Mitgliedsstaaten an diesem Massaker im Mittelmeer aus", so Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl. Nur eine andere Flüchtlingspolitik, die beispielsweise Flüchtlinge aus Somalia oder Eritrea aus dem libyschen Transit legal einreisen lässt, könne derartige Tragödien verhindern.

In Deutschland leben zahlreiche Flüchtlinge eritreischer und somalischer Herkunft. Sie müssen zusehen, so Pro Asyl, wie Angehörigen und Freunde verzweifelt vor den geschlossenen Grenzen Europas stehen und deshalb lebensgefährliche Fluchtrouten auf sich nehmen müssen. Eine der Fluchtrouten eritreischer Flüchtlinge führe durch den Sinai. Dort würden hunderte eritreische Flüchtlinge gekidnappt und gefoltert, bis ihre Verwandten Lösegeld entrichten. Auch dies sei eine Folge der europäischen Abschottungspolitik.

"Die Länder Europas dürfen nicht länger zusehen, wie Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten vor verschlossenen Grenzen stehen und dann verzweifelt versuchen, ihr Leben zu retten und dabei elend zugrunde gehen", mahnt Pro Asyl. Europa müsse bei der Flüchtlingspolitik einen radikalen Neuanfang machen: "Die Abschottungspolitik der beiden letzten Dekaden ist gescheitert. Der tausendfache Tod von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas bedeutet den moralischen Bankrott der Flüchtlings – und Menschenrechtspolitik der EU."

"Statt sich in Betroffenheit zu ergehen, müssen die EU-Staaten endlich die tödliche Abschottungspolitik beenden und einen sicheren Zugang für Schutzsuchende nach Europa schaffen", sagte Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu den Meldungen über hunderte ertrunkene Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa. "Die Bundesrepublik spielt und spielte bei der rigiden Abschottungspolitik der Europäischen Union eine zentrale Rolle. Sie hat den Aufbau der europäischen Abschottungsagentur Frontex vorangetrieben. Sie hat die Verantwortung für einen effektiven Flüchtlingsschutz den Staaten an den Außengrenzen der EU aufgebürdet. Die aktuelle Bundesregierung wie ihre Vorgängerinnen haben sich geweigert, das europäische Asylsystem für alle Mitgliedsstaaten und für die Schutzsuchenden selbst fair und solidarisch zu gestalten. Den Preis zahlen jährlich tausende Flüchtlinge, die vor den Grenzen Europas ertrinken."
 
www.proasyl.de

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