zar 200Göttingen. - Das Flüchtlingsdrama in der Zentralafrikanischen Republik hat sich seit dem Jahreswechsel weiter zugespitzt. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen berichtet. "Die Zahlen sind erschreckend: Zwei von drei Bewohnern der Hauptstadt Bangui sind inzwischen auf der Flucht, jeder fünfte Bürger des Landes hat sein Zuhause verloren", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

In den letzten drei Tagen habe sich die Zahl der Flüchtlinge in Bangui um 140.000 auf nun 510.000 Menschen erhöht, sagte Delius. Insgesamt sind nach Informationen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) 930.000 Menschen in dem von 4,6 Millionen Menschen bewohnten Land auf der Flucht.

"Offensichtlich sind die französischen Soldaten und die afrikanische Friedenstruppe MISCA nicht in der Lage, wirksam die kämpfenden Milizionäre zu entwaffnen und den Schutz der Zivilbevölkerung sowie ihre humanitäre Versorgung zu gewährleisten", warnte Delius. "Dringend müssen die Vereinten Nationen Blauhelm-Soldaten in das Land entsenden, um ein Massensterben zu verhindern. Auch muss die Europäische Union in einer Dringlichkeitssitzung über die dramatische Lage in der Zentralafrikanischen Republik beraten."

Bislang plant die EU, erst am 20. Januar in Brüssel eine Konferenz zu möglichen EU-Hilfen für die Zentralafrikanische Republik einzuberufen. Delius: "Auch wenn dieses Land weder strategisch besonders bedeutsam ist, noch über große Rohstoffvorkommen verfügt, muss die EU ihrer Schutzverantwortung für die Zivilbevölkerung nachkommen. Beim Schutz von Menschen vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden."

Die eskalierende Gewalt verschlimmere die Lage der Zivilbevölkerung, weil Hilfsorganisationen ihr Personal abziehen müssten, berichtete die GfbV. So habe die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" am Donnerstag einen Teil ihrer Helfer vom Flughafen Bangui evakuieren müssen, nachdem sie unter Beschuss gekommen waren. In der Nähe des Flughafens suchen inzwischen mehr als 100.000 Menschen Schutz.

Übergriffe von Milizen werden sowohl aus Bangui als auch aus dem Norden des Landes gemeldet. Doch die größte Gefahr für die Zivilbevölkerung sind die mangelnde Hygiene sowie die unzureichende Versorgung mit frischem Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten aufgrund der Sicherheitslage. "Mit jedem Tag, an dem Helfer keinen sicheren Zugang zur Not leidenden Zivilbevölkerung haben, wird die Gefahr des Ausbruchs von Epidemien größer."

Auch der Exodus von Bürgerinnen und Bürgern des Tschad aus der Zentralafrikanischen Republik hält weiter an. So haben in dieser Woche mehr als 10.000 Tschader aufgrund der Gewalt das Land verlassen.

Quelle: www.gfbv.de

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