wvBerlin. - Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision hat eine Neuausrichtung der internationalen Friedenspolitik gefordert. Angesichts gewaltsam ausgetragener Konflikte im Irak, im Gaza-Streifen, in Syrien, Sudan, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Kenia und Kolumbien werde derzeit mehr humanitäres Engagement gebraucht denn je. Die deutsche Regierung und die Europäische Union könnten Vorreiter einer vorausschauenden internationalen Friedenspolitik sein.

"Millionen Menschen weltweit, darunter hunderttausende Kinder, leiden unter Angriffen, Flucht und Vertreibung", konstatierte World Vision. "Zugleich müssen Hilfsorganisationen stärker als je zuvor darum kämpfen, den Blick der Öffentlichkeit auf die Not dieser Menschen zu lenken. Je mehr Konflikte es gibt und je länger diese dauern, desto schwieriger wird es, Menschen als Unterstützer für Menschen zu gewinnen."

Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland erklärte bei der Jahrespressekonferenz von World Vision am Dienstag in Berlin: "Wir fordern international eine neue und vorausschauende Ausrichtung der Friedenspolitik. Neue Ansätze müssen gefunden werden, um Konflikte in einem sehr frühen Stadium zu erkennen und vermittelnd eingreifen zu können. In Krisenländern sollten die nationalen Regierungen ein Frühwarnsystem aufbauen, welches auf Regierungsebene angesiedelt ist. Die Europäische Union und Deutschland sollten zivile Experten vorhalten, die die jeweiligen Autoritäten in guter Regierungsführung beraten. Regierungen müssen frühzeitig in die Pflicht genommen werden und ihren Auftrag erfüllen, damit der jeweilige Reichtum der Länder der ganzen Bevölkerung zugute kommt. Friedensdiplomatie muss zur europäischen Daueraufgabe werden. Aber auch nach militärischen Einsätzen – wenn sie denn durchgeführt werden – muss es konkrete Wiederaufbaupläne und Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung geben. Wir dürfen Menschen nicht mehr im Chaos allein lassen."

KRISEN IN SYRIEN UND SÜDSUDAN SYMPTOMATISCH

Der Syrien-Konflikt ist aus Sicht von World Vision symptomatisch für viele Herausforderungen der humanitären Hilfe. Er habe die Region erfasst und erfordere ein Dauer-Engagement für inzwischen mehr als zehn Millionen hilfsbedürftige Menschen in Syrien. Die Sorgen und Nöte der Kinder habe World Vision wiederholt publik gemacht. In einem Videostatement dankte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) den jugendlichen Autoren des Syrien-Berichts "Unsere ungewisse Zukunft", den er kürzlich während seiner Libanon-Reise entgegen genommen hatte. Er versprach, sich weiter für Frieden in ihrem Land einzusetzen.

World Vision wies darauf hin, dass sich im Südsudan eine gewaltige Hungersnot anbahne, was bislang von der Weltgemeinschaft weitgehend ignoriert werde. Laut UN Sicherheitsrat erlebe das Land derzeit "die schwerste Lebensmittelkrise der Welt". Etwa vier Millionen Menschen hätten keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln, darunter eine Million Kinder unter fünf Jahren. Die Lage werde sich ab Ende September weiter zuspitzen, so World Vision. In weiten Teilen des Landes seien Felder nicht abgeerntet worden, die Regenzeit sei nicht zur Aussaat genutzt worden. Der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für Süd-Sudan in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar sei bisher nicht einmal zur Hälfte finanziert. "Die Gelder müssen sofort zur Verfügung gestellt werden. Wir appellieren auch an das Auswärtige Amt, seine Hilfszusagen für das Land jetzt aufzustocken und entschiedener auf Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zu dringen", sagte Christoph Waffenschmidt.

LEICHTER ANSTIEG VON SPENDEN FÜR ENTWICKLUNGSPROJEKTE

Mit mehr als 80,5 Millionen Euro lag der Gesamtertrag bei World Vision Deutschland 2013 geringfügig unter dem Ertrag des Vorjahres. "Dies ist darauf zurückzuführen, dass es im vergangenen Jahr erfreulicherweise weniger Katastrophen gab. Damit verringerten sich auch die Spendeneinnahmen für humanitäre Hilfe", erläuterte Christoph Hilligen, Finanzvorstand von World Vision Deutschland. Die Zahl regelmäßiger Förderer stieg leicht an auf mehr als 171.000 Paten und Spender.

Dieses Wachstum schlug sich vor allem bei Spenden für besondere Entwicklungsprojekte nieder, wie z.B. dem "Starthelfer"-Programm. Es unterstützt besonders die Ernährung und Gesundheit von Babys und Kleinkindern sowie eine gute Betreuung von schwangeren Frauen. Über das neue Online-Portal "Mein World Vision" wird die digitale Erlebbarkeit der Entwicklungsarbeit und der Austausch zwischen Paten und Patenkindern weiter intensiviert. World Vision bietet im Rahmen seiner neuen Strategie auch Jugendlichen und ehrenamtlich Engagierten die Möglichkeit, sich noch stärker für die Ärmsten der Armen einzusetzen.

ERSTMALS WIRKUNGSBERICHT ZUR ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT VERÖFFENTLICHT

In einem erstmals veröffentlichten Wirkungsbericht legte die Kinderhilfsorganisation dar, wie sie die Wirkungen ihrer Projektarbeit misst und bewertet. "Da Kinder im Fokus der Arbeit von World Vision stehen, werden Erfolge oder Misserfolge von Maßnahmen auch vorwiegend an der Lebensqualität und den Bedürfnissen der Kinder gemessen", so Christoph Hilligen. Der Bericht zeige anhand von sechs Beispielen aus verschiedenen Ländern und Regionen sowie einem Projekt der Katastrophenvorsorge, dass viele positive Veränderungen für die Kinder und ihre Familien erreicht werden konnten. Er veranschauliche aber auch Wirkungszusammenhänge, die bei der Planung und späteren Auswertung von Projekten beachtet werden müssten. Der einzelne Mensch mit seinem Wissen und Verhalten – etwa im Bereich Gesundheit - ist beispielsweise ein ebenso wichtiger Faktor wie sein Umfeld, das sich durch Projektaktivitäten oder auch externe Einflüsse verändern kann. Zudem wurden für den Bericht alle Evaluierungsberichte der vergangenen zwei Jahre vom Centrum für Evaluierung auf ihre methodische Qualität überprüft. "Die daraus resultierenden Verbesserungsvorschläge nehmen wir dankbar auf und werden sie in unsere Arbeit integrieren", betonte Hilligen.

Quelle: www.worldvision.de

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