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Der Film beginnt mit Eindrücken gesellschaftlicher Gegensätze: Politiker jonglieren mit billionenschweren Rettungsschirmen, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. "Wer Rettet Wen? Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit" zeigt, wer wirklich "gerettet" wird: Stets geht es vor allem um das Wohl der Hauptverdiener an diesen Krisen, der Banken. Der Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, der über Crowdfunding finanziert wurde, startet am 11. Februar in mindestens 150 europäischen Städten.

Seit fünf Jahren werden Banken und Länder gerettet. Politiker schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Steuerzahler und sozial Benachteiligte zahlen die Zeche. Für große Banken ist die Finanzkrise hingegen ein Geschäftsmodell geworden.

Am 11. Februar wird "Wer Rettet Wen?" in mindestens 150 europäischen Städten zur selben Zeit Premiere feiern. Mehr als 2.000 Spenderinnen und Spender haben mehr als 181.000 Euro zusammengebracht - 175.000 waren als Produktionskosten veranschlagt. Die SpenderInnen erhalten eine DVD Die Förderbeiträge gelten als Zuwendung und sind steuerlich nicht absetzbar. Spendenquittungen sind deshalb nicht möglich. Ab Förderbeiträgen von 1000 € aufwärts ist es aber offenbar möglich, die Zahlung als Darlehen zu deklarieren, das bei Einnahmen, die die kalkulierten Kosten übersteigen, rückzahlbar ist, so die Organisatoren. Der "Film von unten" soll dezentral vertrieben werden, Vorführungen können die Spender an ihrem Heimatort selbst organisieren. 

GEWALTIGE SUMMEN AN MARODE BANKEN

Der Film geht zurück ins Jahr 2008, als in allen Ländern der westlichen Welt jenseits der parlamentarischen Kontrolle gewaltige Summen an marode Banken gehen. "Die Demokratie wird außer Kraft gesetzt", konstatieren die Filmemacher." Hier fragt der Film nach: Wie konnte es zu solch einer Katastrophe kommen? Wie funktionierten die 'Märkte', deren Zusammenbrechen überall die Schwächsten der Gesellschaft zu spüren bekommen?"

"Wir hören von Ökonomen, dass eine Rettung der Banken nicht nötig gewesen wäre. Dass der Staat eine 'Good-Bank' hätte gründen können, indem er den Banken die guten, für die Realwirtschaft benötigten Papiere samt den Spareinlagen abkauft", heißt es in der Ankündigung des Films. "Damit hätte die 'Good Bank' reibungslos die Kernaufgaben des Bankensystems übernehmen können. Stattdessen hat der Staat den Steuerzahlern 'Bad Banks' mit riesigen Paketen wertloser Papiere aufgehalst. Denn 2008 saßen die großen Banken fast überall an den Kabinettstischen."

Die globale Rettung der Banken hat fatale Folgen: Es entstanden "systemrelevante" Finanzriesen, die erhebliche Wettbewerbsvorteile haben und größer und mächtiger sind als zuvor. "So mächtig, dass sie 2009 anfingen, gegen diejenigen Staaten zu wetten, die sich durch die Bankenrettung verschuldet hatten. Die Geretteten gegen die Retter."

NACH DEN BANKEN MÜSSEN STAATEN GERETTET WERDEN

wer rettet wen plakat 360In einer anderen Szene sind die Zuschauer in Griechenland. "Sie sehen, mit welchen Tricks ein in den USA ausgebildeter griechischer Zentralbankchef mit Hilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs die Hälfte der griechischen Staatschulden verschwinden lässt. Das war Griechenlands Eintrittskarte in die EU. 12 Jahre später wird derselbe Schwindler als Retter des Landes eingesetzt. Die milliardenschweren Hilfspakete retten aber nicht Griechenland, sondern wieder nur die Banken. Warum ist das so? Was steckt dahinter?", fragen Franke und Lorenz.

In Italien und Spanien erfährt der Kinobesucher von der Rolle der Ratingagenturen, die augenscheinlich Regie führen bei der Zuspitzung der Schuldenkrise. Die Eigentümer der Agenturen profitieren von den Ratings, die von den bewerteten Unternehmen bezahlt werden. Sie bilden einen Machtkomplex, der das Schicksal von Staaten bestimmt. "Sie drängen angegriffene Staaten zum Sparen, angeblich um die Schulden zu reduzieren. In Wahrheit werden diese Länder durch den Sparzwang wirtschaftlich in den Abgrund dirigiert. Und die Schulden wachsen immer weiter – auch weil große Konzerne und Reiche kaum noch Steuern zahlen", so der Film.

Schlimmer noch: Goldman Sachs stellt nicht nur einen US-Finanzminister nach dem anderen, sondern auch EU-Wettbewerbskommissare, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank und so fort. Am Ende des Films fordern Ökonomen den sofortigen Stopp der Schutzschirm- und Bankenrettungspolitik. Deutschland habe schon jetzt das gigantische Risiko der Haftung für über 1.000 Mrd. € fauler Kredite übernommen, was zur Gefährdung der Altersversorgung führe.

Der Film zeigt ökonomische und politische Alternativen. "Diese sind nicht nur seriös gerechnet, sondern auch schon einmal erfolgreich umgesetzt", berichten die Filmemacher: "US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat es 1932 geschafft, den Finanzmarkt in enge Schranken zu weisen und damit fast 70 Jahre stabile wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen." Der Chef des weltgrößten Rückversicherers, der Münchner Re, Nikolaus von Bomhard, fordert die Zerschlagung der "systemrelevanten" Banken mit restriktivsten Regulierungen des Finanzmarkts. Der US-Ökonom Nouriel Rubini fragt, was denn für die BürgerInnen besser geworden sei seit der Freigabe des Derivatenhandels? "Wann fangen wir an, den Märkten Fesseln anzulegen?"

Wer Rettet Wen? Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit
Ein Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz
Länge: 90 Minuten Format: Full HD
=> www.wer-rettet-wen.org


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