gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die Verurteilung von drei Anti-Sklaverei-Aktivisten in Mauretanien zu jeweils zwei Jahren Haft scharf verurteilt. “Die Urteile sind unverhältnismäßig und brüskieren die internationale Staatengemeinschaft. Denn in jedem Rechtsstaat wären die Beschuldigten nur wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt worden, weil ihre Demonstration nicht offiziell angemeldet war. Mauretanien will offensichtlich die Menschenrechtler einschüchtern, um neue Proteste gegen die anhaltende Sklaverei zu unterbinden“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen.

"Mit dem Urteil gegen den Präsidenten und seinen Stellvertreter der Anti-Sklaverei-Organisation "IRA" (Initiative für die Wiederbelebung der Abschaffung) wird eine der bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen Mauretaniens gezielt mundtot gemacht."

Der Menschenrechtler und Präsident der "IRA", Biram Dah Abeid, sein Stellvertreter Brahim Bilal Ramdhane und der Führer der Menschenrechtsorganisation "Kawtal", Djiby Sow, wurden am Donnerstag von einem Gericht in der Stadt Rosso wegen vermeintlicher Anstiftung zu einer „Rebellion“ zu jeweils zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sieben weitere angeklagte Mitstreiter der Organisation "IRA" wurden freigesprochen. Der am 24. Dezember 2014 begonnene Prozess gegen den führenden Menschenrechtler hatte im In- und Ausland für große Aufmerksamkeit gesorgt. Die Anti-Sklaverei-Aktivisten waren am 11. November 2014 am Stadteingang von Rosso verhaftet worden. Sie hatten versucht, mit einem offiziell nicht genehmigten Demonstrationszug in die Stadt einzuziehen, um dem Gouverneur einen Appell gegen Landraub und Sklaverei zu überreichen.

Das harsche Urteil brüskiert, laut GfbV auch die Vereinten Nationen, die USA und die Europäische Union, die sich für eine Freilassung der Menschenrechtler eingesetzt hatten. Das Europaparlament hatte sich in einer Resolution am 16. Dezember 2014 ausdrücklich für die Freilassung der Inhaftierten eingesetzt. Biram Dah Abeid ist Träger des Weimarer Menschenrechtspreises und des Menschenrechtspreises der Vereinten Nationen, der bedeutendsten menschenrechtlichen Auszeichnung der Weltorganisation. Seiner Organisation "IRA" wird seit vier Jahren von den mauretanischen Behörden die Anerkennung als Nichtregierungsorganisation verweigert.

Im Juni 2014 hatte hat der Sklaverei-Kritiker Biram Dah Abeid bei den Präsidentschaftswahlen in Mauretanien noch überraschend die zweitmeisten Stimmen bekommen.

In Mauretanien leben noch immer vor allem in ländlichen Gebieten rund 500.000 Menschen als Sklaven, obwohl die Sklaverei offiziell in dem Land seit Jahrzehnten abgeschafft ist.

Quelle: gfbv.de


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