papst enzyklika umweltBerlin. -  Die am Donnerstag veröffentlichte Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus, in der er entschieden gegen die globale Erderwärmung und die fossile Energieerzeugung vorgeht, wurde von zahlreichen Vertretern aus Zivilgesellschaft und Politik begrüßt. Die Enzyklika zeigt, dass der Papst den Kampf gegen Armut mit der Abwendung eines gefährlichen Klimawandels verknüpft.

FAO Director-General José Graziano da Silva freut sich über die neue moralische Stimme im Kampf gegen den Klimawandel. "We cannot call development sustainable if millions are left behind, excluded from the opportunity of a decent life by poverty and hunger."

"Die scharfe Kritik des Papstes an der Unterwerfung der Politik unter die Interessen der Wirtschaft und an der Profitgier als alleinigem Maßstab wirtschaftlichen Handelns ist in jeder Hinsicht berechtigt und bemerkenswert. Wir brauchen – wie er es fordert – endlich eine Politik und Wirtschaft, die das menschliche Leben in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen", forderte der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi.

Auch den Aussagen des Papstes zur Rettung der Banken um jeden Preis stimmt Gysi zu. In der Enzyklika heisst es: "Die Rettung der Banken um jeden Preis, indem man die Kosten dafür der Bevölkerung aufbürdet, ohne den festen Entschluss, das gesamte System zu überprüfen und zu reformieren, unterstützt eine absolute Herrschaft der Finanzen, die keine Zukunft besitzt und nach einer langwierigen, kostspieligen und scheinbaren Heilung nur neue Krisen hervorrufen kann."

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender (Grüne) sagte: "Der Papst beschreibt zielsicher die ökologischen Grenzen unseres Planeten wie auch die existenziellen Risiken für die Menschheit. Wenn wir die Klimakrise weiter befeuern, Wasser verschmutzen und die Umwelt vermüllen, entziehen wir uns unsere Lebensgrundlagen. Dabei verknüpft der Papst konsequent die ökologische mit der sozialen Dimension. Umweltpolitik ist immer auch eine Frage der Gerechtigkeit, weil sich die Armen eine kaputte Umwelt erst recht nicht leisten können."

Mit Blick auf die Bundesregierung fügte er hinzu, dass sie "Herausforderungen der Umweltpolitik nicht gerecht wird und dass sie in vielen Bereichen herum stümpert, sabotiert und verharmlost."

Als "gelungene Provokation" begrüßt die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die Aussagen des Papstes.

"Der Papst eröffnet eine Debatte über die globale Wegwerfkultur, die sowohl ausgeschlossene Menschen und andere Lebewesen betrifft als auch Dinge, die sich rasch in Abfall verwandeln. Dieser Debatte kann sich eine pluralistische Gesellschaft nicht entziehen, für die Menschenwürde Leitlinie des Handelns ist", sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. "Er geißelt die Privatisierung des Wassers als Menschenrechtsverletzung. Und er kritisiert ein Wirtschaftswachstum, das in immer kürzerer Zeit immer größere Müllhalden erzeugt."

Zudem will der Papst im September im Umfeld der Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) vor der UN-Generalversammlung sprechen. Bals sagte dazu: "Der Einsatz dieses Papstes für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen ist ermutigend. Er kann so wichtige Impulse für eine Wende zur Nachhaltigkeit und ein erfolgreiches Klimaabkommen in Paris setzen."

"Für Union und SPD ist die Enzyklika eine unbequeme Mahnung. Sie ist ein Weckruf für eine moderne Umweltpolitik, für eine grundlegende sozial-ökologische Transformation."

"Wie DIE LINKE lehnt die Umwelt-Enzyklika den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten ab, dessen weltweite Einführung Bundeskanzlerin Merkel jüngst forderte. Statt weniger CO2 auszustoßen können Unternehmen mit den Gutschriften handeln, spekulieren und damit Gewinne mit dem Klimawandel einstreichen. Der Argentinier weiß, wovon er spricht, hat der Vatikan-Obere die Folgen neoliberaler Schock-Therapien, wie sie heute etwa Griechenland über sich ergehen lassen muss, als Seelsorger in den Armenvierteln seiner Heimat in den 1990gern selbst miterlebt. Das Gemeinwohl der Welt steht über dem Wohl weniger Reicher und der mächtigen Staaten. Sowohl für Katholikinnen und Katholiken in Politik und Gesellschaft als auch für Nicht-Kirchgänger ist die Enzyklika darum eine Anregung zum ernsthaften Nachdenken und Handlungsanleitung dafür, in welcher Welt sie leben möchten," kommentierte Eva Bulling-Schröter, energie- und klimapolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.

=> Umweltenzyklika "Laudato si"

Quellen: fao.org | germanwatch.org | gruene.de | die-linke.de


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