worldvision jahresbericht 2014 720

Berlin. - Anlässlich der Jahres-Pressekonferenz und der Finanzierungskonferenz für Entwicklung, die am kommenden Montag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba beginnt, sowie vor dem Hintergrund der dramatischen Flüchtlingszahlen hat die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision am Donnerstag auf die katastrophalen Lebensumstände aufmerksam gemacht, unter denen viele Menschen in ihren Heimatländern oder Aufnahmeländern zu leiden haben.

Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland, ist vor ein paar Tagen aus Jordanien zurück gekehrt, wo er zahlreiche Flüchtlinge getroffen und sich über ihre Lebenssituation informiert hat. "Die Lebenssituation der meisten Flüchtlinge ist von enormer Perspektivlosigkeit geprägt", betonte Waffenschmidt. "In Jordanien dürfen sie nicht arbeiten und sind auf die finanziellen Zuweisungen z.B. durch die Vereinten Nationen angewiesen. Diese sind aber nicht mehr ausreichend finanziert und so ist absehbar, dass die Flüchtlinge mit immer weniger auskommen müssen. Das zwingt sie förmlich in die Schwarzarbeit, mit der Bedrohung, dass sie bei Entdeckung ausgewiesen und über die Grenze nach Syrien abgeschoben werden."

Die syrische Flüchtlingskrise sei die größte seit dem 2. Weltkrieg, so Waffenschmidt. Nie seien so viele Menschen in einem Konflikt auf einmal auf der Flucht gewesen.

"Kein Mensch verlässt seine Heimat, seine Familie, seine Eltern, Geschwister, Kinder oder Freunde freiwillig, wenn er nicht dazu gezwungen wird", betonte Waffenschmidt. "Menschen fliehen, weil sie den Bombenterror, Folter, Tod und Grausamkeiten des Krieges nicht mehr ertragen, weil sie diskriminiert und unterdrückt werden, weil sie politisch verfolgt werden und weil sie in wirtschaftlichem und sozialem Elend leben oder auch die klimatischen Bedingungen nicht mehr aushalten."

Im vor vier Jahren unabhängig gewordenen Südsudan behindert die Ausbreitung von Konflikten dringend nötige Entwicklungsanstrengungen und zwingt jede Woche weitere Menschen zur Flucht. "Die Bundesregierung und die Europäische Union sollten sich stärker in den Friedensprozess einmischen", forderte Martin van de Locht, Bereichsleiter internationale Programme, der am Wochenende aus dem Südsudan zurückgekommen ist. "Wenn nicht schnell etwas passiert, werden wir es mit einer Hungersnot zu tun haben, von der 250.000 Kinder betroffen sein könnten. Wir brauchen auch schnellstens einen Waffenstillstand." Ein umfassendes Waffenembargo sei nötig, betont van de Locht. Mindestens 4,6 Millionen Südsudanesen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. World Vision engagiert sich dort in mehreren Bundestaaten, unter anderem im Bereich Ernährungssicherung und Kinderschutz.

FORDERUNGEN ZUR ENTWICKLUNGSFINANZIERUNG UND KRISENPRÄVENTION

World Vision fordert die Staatengemeinschaft auf, ihre Finanzierungszusagen zu halten und besonders die bedürftigsten Menschen, nämlich Kinder in den ärmsten Ländern der Welt, im Blick zu haben. Die Bundesregierung muss die immer wieder zugesagten 0,7% des Bruttonationaleinkommens endlich für globale Entwicklung bereit stellen. In Konfliktländern muss Friedenspolitik viel früher ansetzten. Eine vorausschauende Friedenspolitik, die Konflikte frühzeitig identifiziert und verhindert, ist dringend geboten. World Vision macht auch darauf aufmerksam, dass besonders in Kriegs- und Krisengebieten Schulen zunehmend von den Konfliktparteien missbraucht werden. "Die Bundesregierung muss diesbezüglich die "Safe Schools Declaration" unterzeichnen und umsetzen“, forderte Waffenschmidt.

Viele Länder leiden inzwischen vermehrt unter Auswirkungen des Klimawandels. Auch hier ist die Bundesregierung gefordert und muss die Entwicklungsländer sowohl bei Präventivmaßnahmen, als auch nach Katastrophen stärker unterstützen. World Vision fördert in seinen Projektgebieten, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, auch Maßnahmen, die der Umwelt zugute kommen und den Hunger bekämpfen, wie z.B. die regenerative Wiederaufforstungsmethode FMNR (farmer managed natural regeneration) oder Agrarforstwirtschaft, durch die Bauern bis zu 300 Prozent höhere Ernteerträge einfahren können.

JAHRESBILANZ 2014: KRISEN

World Vision Deutschland hat im Finanzjahr 2014 Gesamteinnahmen von 90,6 Millionen Euro erzielt (ein Plus von 12 Prozent), die zu 75,8 Prozent aus privaten Zuwendungen hervorgingen. Mehr als 9,2 Millionen Menschen wurden durch 300 Projekte in 50 Ländern unterstützt. Einen Schwerpunkt ihres Engagements setzte die Kinderhilfsorganisation in den am wenigsten entwickelten Ländern, in denen 3 Mal so viele Kinder vor ihrem 5. Geburtstag sterben wie in anderen Entwicklungsländern und die meisten Familien ihre geringen Ersparnisse für Notlagen aufwenden müssen.

In Gesundheit und Ernährung der Kleinkinder, in gute Lernbedingungen für Schüler und in landwirtschaftliche Entwicklung sowie in die Stärkung zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit hat World Vision am meisten investiert. Kinderschutzprogramme und Jugendförderung baut World Vision derzeit weiter aus, da in vielen Ländern großer Handlungsbedarf in diesen Bereichen besteht. "Wir sind dankbar, dass mehr als 171.000 regelmäßige Förderer und viele lokale Partner diese Entwicklungsarbeit tragen, denn so können wir Schritt für Schritt nachhaltige Erfolge erzielen", erklärte Christoph Hilligen, Vorstand bei World Vision Deutschland e.V..

Mit öffentlichen Zuschüssen von deutschen und internationalen Kooperationspartnern, die 2014 um 56 Prozent auf 13,9 Millionen Euro zunahmen gegenüber dem Vorjahr, konnte World Vision vor allem in Afrika und dem Nahen Osten tausenden Flüchtlingen und konfliktbetroffenen Kindern Hilfe zukommen lassen; auch wurden damit umfangreiche Programme zur Krisenvorsorge am Horn von Afrika gestartet.

Die Einnahmen von World Vision weltweit betrugen im Finanzjahr 2014 insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro und die Lebensbedingungen von über 120 Millionen Kindern konnten verbessert werden.

=> World Vision Jahresbericht 2014

Bild: © World Vision

Quelle: worldvision.de


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok