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New York. - Die Vereinten Nationen haben auf ihrem Gipfel in New York die 2030-Agenda mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDG) beschlossen. Neben der Bekämpfung von Armut und Hunger stehen Ziele zu Gesundheit und Bildung, Umweltschutz, nachhaltigen Produktions- und Konsummustern, Frieden und Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Mittelpunkt. Alle Staaten haben sich verpflichtet, die SDGs bis zum Jahr 2030 umsetzen. Terres des hommes, WWF, AWO und das Forum Umwelt und Entwicklung mahnen, auch für Deutschland bedeute dies ein konsequentes Umsteuern in der Sozial-, Umwelt- und Entwicklungspolitik.

"Die Welt ist um 17 Ziele und 169 Unterziele reicher. Aber mit ihrer Umsetzung kommt jetzt der Realitätscheck. Die SDGs können eine Bedienungsanleitung für eine bessere Welt werden oder eine Zeitverschwendung, die lediglich Ressourcen bindet. Eins ist klar, die Bundesregierung muss nun einen umfassenden Umsetzungsplan erarbeiten, der unsere Wirtschaftsweise grundlegend hinterfragt. Eine Beschränkung auf bestehende Strategien – wie die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie – reicht da bei Weitem nicht aus", erklärte Marie-Luise Abshagen, Referentin beim Forum Umwelt und Entwicklung.

"Wenn die Bundesregierung ernst meint, was sie richtiger Weise in New York verhandelt und zugesagt hat, muss es einen grundlegenden Wechsel in der deutschen Nachhaltigkeitspolitik geben", sagte Alois Vedder, Leiter Politik beim WWF Deutschland. "Im Umweltbereich muss der Abschied von der Kohle forciert werden und es muss Schluss sein mit der finanziellen und politischen Unterstützung einer Landwirtschaft, die Hauptverursacherin für den Verlust an biologischer Vielfalt im Inland ist. Und Deutschland muss endlich Verantwortung übernehmen für den ökologischen Fußabdruck unserer Wirtschaft außerhalb der eigenen Grenzen – entstanden etwa durch Auslagerung industrieller Vorfertigungen und riesiger landwirtschaftlicher Produktionsflächen für Viehfutter sowie durch den Export klimaschädlicher Produkte. Diese Belastungen müssen schrittweise reduziert werden. Vor allem aber müssen die Zeiten vorbei sein, in denen Wirtschafts-, Finanz- oder Verkehrsministerien Nachhaltigkeitsanforderungen ignorieren können", so Vedder.

Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende von terres des hommes, fordert: "Politik insgesamt muss SDG-kompatibel werden." Sacher weiter: "Ziel der SDGs ist, dass es bis 2030 keinen Hunger und keine Armut mehr gibt. Um dies zu erreichen brauchen wir einerseits eine effektive, auf den Menschen- und Kinderrechten basierende Entwicklungspolitik. Diese darf keinen wirtschaftlichen oder handelspolitischen Interessen untergeordnet sein. Aber dazu gehört andererseits auch, dass wir unseren Lebensstil in Deutschland hinterfragen und ändern. Die Produktion unserer Kleidung und Konsumgüter, industrielle Landwirtschaft oder Dumping-Exporte – all das sind Faktoren, die Armut weltweit verstärken. Eine Umsetzung der SDGs in und durch Deutschland muss genau hier ansetzen."

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland engagiert sich für die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Nachhaltige Ökonomie und gesellschaftlicher Zusammenhalt erfordern eine verlässliche Infrastruktur an individuellen Unterstützungsangeboten – gerade in einer Zeit, in der sich Familie, Arbeit und Gesellschaft schnell wandeln. Deswegen betont AWO-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker, dass soziale, und auf Befähigung ausgerichtete Dienstleistungen ein fundamentaler Bestandteil des modernen Sozialstaats seien. "Die hohe gesellschaftliche Anerkennung, die Beschäftigte des sozialen Bereiches erhalten, müssen sich in staatlichen Investitionen in Vergütung, Ausbildung und Infrastruktur widerspiegeln", betont Döcker. Eine Orientierung ausschließlich an kurzfristigen Effizienzzielen wäre dagegen fatal.

"Auch Deutschland ist jetzt gefordert", sagte Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. "Die 17 SDGs und ihre 169 Unterziele müssen in Deutschland zügig durch die Politik übersetzt und schlagkräftig umgesetzt werden. Der Beitrag Deutschlands zur Nachhaltigkeit der Welt hängt nicht nur davon ab, wie wir uns im Inland verhalten, sondern beispielsweise auch von unserer internationalen Handelspolitik. Wir müssen unsere gesamte Politik auf den Prüfstand stellen, um zu einer dauerhaft tragfähigen Welt beizutragen."

Quelle: www.forumue.de | www.tdh.de 


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