klimagipfel paris cop21 300Berlin. - Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) in Bonn hat am Freitag die Endfassung des INDC-Berichts veröffentlicht, der die geplanten Klimaschutzbeiträge von 146 Staaten zusammenfasst. Die Reaktion von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fällt zwiespältig aus: "Die Richtung stimmt, doch das Ziel ist noch lange nicht erreicht", kommentierten Brot für die Welt und Germanwatch den Bericht, der einen Monat vor dem Klimagipfel in Paris erschienen ist. Oxfam hält den klimapolitischen Ehrgeiz der Staaten für "weiterhin viel zu schwach". Die NGOs fordern eine Nachbesserung der Klimaziele.

Das UN-Klimasekretariat zeigte sich hinsichtlich der Ergebnisse des INDC-Berichts ("Synthesis report on the aggregate effect of the intended nationally determined contributions") optimistisch.  UNFCCC geht davon aus, dass die nationalen Klima-Aktionspläne zusammengenommen "die globalen Emissionen in die Atmosphäre dramatisch verlangsamen" können und dazu führen werden, dass die Pro-Kopf-Emissionen in den nächsten 15 Jahren sinken.

"Auf der einen Seite hat der Pariser Klimagipfel schon etwas Entscheidendes bewirkt: Es liegen nun die selbst gesteckten Klimaziele von rund 150 Staaten auf dem Tisch", erklärte Sönke Kreft, Teamleiter für Internationale Klimapolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. "Auf der anderen Seite ist jedoch klar, dass diese Beiträge nicht ausreichen werden, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern." Zwar würden die bisher vorgelegten Klimaziele zu einer Verlangsamung des Emissionswachstums führen, doch selbst bei voller Umsetzung der Ziele würde 2030 global noch mehr als ein Drittel zu viel emittiert, um das vereinbarte Zwei-Grad-Limit langfristig einhalten zu können.

"Das Pariser Abkommen soll die Klimapolitik der kommenden Jahrzehnte bestimmen. Es muss deshalb einen realistischen Nachbesserungsmechanismus enthalten", sagte Kreft. "Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Paris eine Verpflichtung zur Verschärfung der Klimaziele enthält, sondern auch, wann diese erfolgen sollen." Die vorgelegte Zusammenfassung der INDCs zeige, dass es sich die Internationale Gemeinschaft nicht erlauben könne, den Klimaschutz nach dem Pariser Gipfel auf die lange Bank zu schieben. Sönke Kreft: "Wir brauchen Verbesserungen der Klimaziele im Fünf-Jahres-Rhythmus. Und die erste Verschärfungsrunde muss unbedingt schon vor 2020 erfolgen."

"Diese Lücke bei den Klimazielen bedeutet unweigerlich ein größeres Risiko bei den Folgen des Klimawandels. Der heute vorgestellte Synthesebericht zeigt auf schockierende Weise, dass man offenbar in Kauf nimmt, auf eine vermeidbare Katastrophe zuzusteuern anstatt signifikant die Treibhausgase zu reduzieren", betonte Sabine Minninger, Klimaexpertin bei Brot für die Welt. Zu hohe Emissionen führten zu Extremereignissen, lösten Hungersnöte aus und verschärften Konflikte sowie Migration. "Die Konsequenz ist, dass betroffene Menschen weltweit erwarten, dass sich das Pariser Abkommen wesentlich stärker als bisher mit dem Problem der Klimaschäden auseinandersetzt, die nicht mehr vermeidbar sind." Wenn die Klimarisikolücke in den nächsten Jahren weiter wächst, müsse die Internationale Gemeinschaft hier Lösungen finden, so Minninger.

Klimawandel-bedingte Schäden (engl. "Loss and Damage") sind ein strittiger Punkt im Pariser Abkommen. Brot für die Welt und Germanwatch stellen am Dienstag (3. November) eine gemeinsame Studie vor, die aufzeigen soll, wie die Klimarisikolücke in den nächsten Jahren wächst und was ein Loss & Damage-Ergebnis in Paris zur Lösung des Problems beitragen kann.

"Auf den ersten Blick ist es ermutigend, dass inzwischen fast 150 Länder ihre geplanten Klimaschutzbeiträge für das neue Abkommen vorgelegt haben. Dass anhand dieser Angebote nun nicht mehr mit einer Erwärmung von 4-5°C zu erwarten ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der klimapolitische Ehrgeiz weiterhin viel zu schwach ist", sagte Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam Deutschland. "Wir bewegen uns auf eine um knapp 3°C wärmere Welt zu, mit katastrophalen Folgen vor allem für die ärmeren Länder. Verschärfte Dürren, häufigere Überschwemmungen und andere Unwetterkatastrophen beeinträchtigen jetzt schon die Ernten, zerstören Hab und Gut und zwingen Menschen weltweit, ihre Heimat zu verlassen, weil dort ein Leben in Würde und frei von Armut und Hunger zunehmend unmöglich wird."

Vor allem die reichen Länder seien nicht bereit, ihren fairen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten, kritisierte Kowalzig. "Nach unserer Analyse leisten Europa und die USA nicht einmal ein Viertel dessen, was fairerweise von ihnen zu erwarten wäre. Sie nehmen wissentlich in Kauf, dass die ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder in die Katastrophe schlittern. Insbesondere viele pazifische Inselstaaten sind schon ab einer globalen Erwärmung von 1,5 °C vom steigenden Meeresspiegel existenziell bedroht."

Die deutschen Umwelt- und Entwicklungsverbände Brot für die Welt, BUND, Germanwatch, Greenpeace, Misereor und WWF haben am Freitag in ihrer gemeinsamen TRANSFORM-Initiative detaillierte Vorschläge zum Paris-Abkommen veröffentlicht und zeigen dabei auch auf, welchen Beitrag Deutschland leisten muss.

Quellen: www.unfccc.int | www.germanwatch.org | www.brot-fuer-die-welt.de | www.oxfam.de 


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