Entwicklung hilftBonn (epo). - Knapp 100 Tage nach dem verheerenden Seebeben vor Indonesien sieht das Bündnis "Gemeinsam für Menschen in Not - Entwicklung hilft!" die internationale Hilfe in einer entscheidenden Phase. "Jetzt kommt es darauf an, den Wiederaufbau so zu gestalten, dass die Lebensbedingungen insbesondere der Armen nachhaltig verbessert werden", erklärte das Bündnis. Dazu sei eine professionelle Hilfe notwendig, die klaren Qualitätsstandards verpflichtet sei und langfristige Entwicklungsmöglichkeiten eröffne.

"Das Engagement der Spenderinnen und Spender war überwältigend - und angesichts der Dimensionen der Katastrophe absolut sinnvoll", betonte das Bündnis. Dank dieser Unterstützung habe in den vergangenen Wochen die schlimmste Not Hunderttausender Menschen gelindert und mit dem Wiederaufbau der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen begonnen werden können. Insgesamt haben die im Bündnis zusammengeschlossenen Hilfswerke "Brot für die Welt", Deutsche Welthungerhilfe, medico international, Misereor und terre des hommes für die Tsunami-Hilfe nach eigenen Angaben mehr als 45 Millionen Euro Spenden erhalten. Nur ein kleiner Teil dieser Mittel sei in die akute Nothilfe geflossen, der Großteil der Spenden werde für langfristige Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte eingesetzt.

Dabei dürfe sich der Wiederaufbau nicht darauf beschränken, die Schäden zu beseitigen. "Nur Häuser aufzubauen, greift viel zu kurz", so das Bündnis. "Schon vor dem Seebeben waren viele der betroffenen Regionen Krisenregionen, in denen Not und Elend herrschten - infolge von Menschenrechtsverletzungen, Bürgerkriegen oder sozialen Ausgrenzungen. Wirksame Hilfe für die Opfer der Tsunami-Welle muss parallel zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur genau an diesen Problemen ansetzen. Das verstehen wir unter langfristiger Hilfe." Darin liege nicht nur die zentrale Herausforderung für die internationale Hilfe, sondern auch eine große Chance. "Wir haben jetzt die Möglichkeit eine Entwicklung anzustoßen, die nachhaltig die Lebensperspektiven insbesondere der Armen verbessert. Nur so lassen sich die Ursachen von Not und Elend überwinden."

Eine solche Vorgehensweise brauche jedoch Zeit und erfordere ein hohes Maß an Professionalität. Dazu gehörten eine sorgfältige Planung der Hilfsaktivitäten und eine selbstkritische Analyse des eigenen Vorgehens. "Doch genau dies ist nicht immer der Fall. Teilweise ist ein planloser Aktionismus zu beobachten, der mehr zu schaden als zu nützen droht", warnt das Bündnis. Gerade in einem schwierigen Umfeld wie in den von der Tsunami-Welle heimgesuchten Krisenregionen werde überdeutlich, dass "Hilfe, die wirklich helfen soll, klaren Standards folgen muss." In Konsequenz verpflichten sich die am Bündnis beteiligten Hilfswerke zur Einhaltung fünf zentraler Qualitätskriterien:

  1. Bedarfsanalyse: Jede Unterstützung orientiert sich am Bedarf vor Ort und an der Bedürftigkeit der Betroffenen.
  2. Koordination: Alle Hilfsaktivitäten werden eng mit staatlichen Stellen und den Akteuren der internationalen Hilfe abgestimmt.
  3. Partnerorientierung: Gesteuert und umgesetzt werden die Hilfsprojekte in aller Regel von lokalen Partnerorganisationen, die vor Ort fest verankert sind.
  4. Ganzheitlichkeit: Die Projekte werden daraufhin geprüft, ob sie sozial und ökologisch nachhaltig sind, ob sie vorhandene Konfliktpotenziale berücksichtigen und ob sie der Gleichstellung von Frauen und Männern dienen.
  5. Evaluation: Die Wirksamkeit der Hilfsmaßnahmen wird kontinuierlich überprüft und unter entwicklungspolitischen und finanziellen Gesichtspunkten analysiert.

Wer den Betroffenen langfristig bessere Lebensbedingungen eröffnen wolle, müsse weitsichtig handeln und sich gegen Versuche zur Wehr setzen, Hilfe zu instrumentalisieren, so das Bündnis der Hilfsorganisationen. So drohten etwa in Sri Lanka ungeklärte Grundstücksfragen dadurch gelöst zu werden, dass Bauland in Gebieten ausgewiesen werde, in denen es durch den Bürgerkrieg zu Vertreibungen gekommen ist. In Südindien müssten sich Fischer dagegen wehren, von touristisch interessanten Küstenabschnitten vertrieben zu werden. In allen Gebieten bestehe die Gefahr, dass durch eine ausschließliche Hilfe für die direkt Betroffenen soziale Spannungen vergrößert werden. All diese Beispiele zeigten, dass eine Hilfe, die sich alleine auf materielle Aspekte konzentriert, zu kurz greift. "Wir Hilfsorganisationen sind auch als Anwälte und Interessensvertreter der Betroffenen gefordert."

Das Bündnis "Gemeinsam für Menschen in Not - Entwicklung hilft!" ist ein Zusammenschluss der Hilfswerke "Brot für die Welt", Deutsche Welthungerhilfe, medico international, Misereor und terre des hommes. Alle fünf Organisationen leisten seit Jahrzehnten Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika. Das Bündnis wurde Anfang 2005 gegründet, um die Kräfte und Erfahrungen der beteiligten Hilfswerke in Not- und Katastrophensituationen zu bündeln.

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