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oxfamBerlin. - Europa versagt dabei, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Migranten angemessen zu versorgen und ihre Rechte zu schützen. Das kritisiert ein aktueller Oxfam-Bericht, der die Situation in Italien untersucht, das derzeit Hauptankunftsland für Schutzsuchende auf dem Weg nach Europa ist. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation fordert von der italienischen Regierung und ihren europäischen Partnern sofortige Maßnahmen, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen.

Laut aktuellen Zahlen von UNICEF ist jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt minderjährig. Viele von ihnen verlassen ihre Heimat ohne den Schutz der Eltern. Dem am Donnerstag veröffentlichten Oxfam-Bericht "Children alone: pulled from the sea, fallen by the wayside" zufolge fallen jeden Tag mindestens 28 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Migranten durch das Raster des überforderten italienischen Erstaufnahmesystems. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es insgesamt 5.222. Sie leben für die Behörden unsichtbar, oft auf der Straße, wo sie ständig in Gefahr sind, Opfer von Gewalt und Ausbeutung zu werden. Ein Grund hierfür sind die katastrophalen Zustände in den Aufnahmeeinrichtungen, denen die Minderjährigen zu entkommen suchen.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind die so genannten Hotspot-Zentren, die die EU und italienische Behörden zur Bewältigung der vielen Neuankömmlinge eingerichtet haben, chronisch überbelegt und verfügen nicht einmal über die erforderlichen sanitären Anlagen. Während die maximal zulässige Aufenthaltsdauer in diesen haftähnlichen Zentren 48 bis 72 Stunden beträgt, müssen viele unbegleitete Kinder und Jugendliche dort länger als fünf Wochen ausharren. Sie können in dieser Zeit weder ihre Kleidung wechseln, nicht einmal ihre Unterwäsche, und haben keine Gelegenheit, ihre Familien in der Heimat oder Verwandte in anderen europäischen Ländern anzurufen. Zudem werden sie nicht ausreichend über ihre Rechte informiert.

Natalia Alonso, stellvertretende Leiterin der Kampagnen- und Lobbyarbeit von Oxfam International, erklärte: "Die unhaltbaren Zustände, denen diese Kinder in Italien ausgesetzt sind, ist ein Indikator für das Versagen Europas und der italienischen Behörden, minderjährige Flüchtlinge und Migranten zu schützen. Dies zeigt auch, dass die Verantwortung für den Umgang mit ankommenden Schutzsuchenden nicht alleine Sache derjenigen Länder sein kann, die an der Außengrenze der Europäischen Union liegen. Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten müssen Italien unterstützen, sein Erstaufnahmesystem deutlich zu verbessern. Auch müssen alle Mitgliedsstaaten die Inhaftierung minderjähriger Flüchtlinge und Migranten beenden. Denn dies verletzt die fundamentalen Rechte von Kindern.“

Seit Schließung der Balkanroute und des Flüchtlingsabkommens zwischen EU und Türkei, ist Italien erneut Hauptankunftsland für Flüchtlinge und Migranten, die nach Europa wollen. Jüngsten Daten des UN-Flüchtlingswerks zufolge ist die Zahl unbegleiteter Kinder, die 2016 Italien erreichten, signifikant gestiegen und macht in dem Land heute 15 Prozent aller ankommenden Flüchtlinge und Migranten aus. Ende Juli waren es 13.705 unbegleitete Minderjährige, die Italien erreichten, mehr als im gesamten Vorjahr (12.360).

Quelle: www.oxfam.de 


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