Berlin. - Die weltweit größten Hersteller von Muttermilchersatz betreiben aggressives Marketing für ihre Produkte – und bringen damit Kinderleben in Gefahr. Das ist das Ergebnis eines Berichts, den Aktion gegen den Hunger, Save the Children und fünf weitere Organisationen am Dienstag vorgestellt haben. Sie fordern die Konzerne dazu auf, sich endlich an die fast 40 Jahre alten Vorgaben der Weltgesundheitsversammlung zu halten. Ersatzprodukte sind teuer und versprechen oftmals einen Vorteil gegenüber dem Stillen, den sie in den meisten Fällen nicht haben. 

Die Weltgesundheitsversammlung WHA hatte 1981 Regeln für das Marketing von Muttermilchersatz formuliert ("The Code"). Die Hersteller sollten etwa darauf verzichten, Gratisproben ihrer Produkte an Mütter oder medizinisches Personal zu verteilen. Außerdem sollen sie nichts unternehmen, das den Muttermilchersatz als die bessere und gesündere Alternative zum Stillen darstellt. Dagegen verstoßen die Hersteller jedoch immer wieder, heißt es in dem Bericht "Don't Push It".

"In vielen unserer Projektländer haben die Mütter nur ein geringes Einkommen, Stillen kostet sie nichts. Doch vor Ort wird ihnen häufig vorgegaukelt, dass die Milchersatzprodukte besser seien. Oft reicht das Geld dann nicht mehr für die Ernährung der anderen Kinder", kritisierte Jan Sebastian Friedrich-Rust, Executive Director von Aktion gegen den Hunger.

Muttermilch beinhaltet alle lebenswichtigen Nährstoffe. Würden Säuglinge hauptsächlich gestillt, wären hundertausende Todesfälle bei Kleinkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern vermeidbar, so der Bericht. Immer wieder sterben Kinder, weil das Milchpulver mit unsauberem Wasser angerührt wurde und sie dadurch an Durchfall erkranken. Auch Atemerkrankungen bei Säuglingen treten vermehrt auf. Lungenentzündungen und Durchfall sind die häufigsten Todesursachen bei Kindern weltweit.

Der Markt für Muttermilchersatz ist gigantisch: Während er sich 1998 noch auf gut zwölf Milliarden Euro weltweit belief, hatte er sich bis 2014 bereits verdreifacht. Nie wurden mehr Babys und Kleinkinder mit Milchersatzprodukten ernährt als heute. Zu den größten Herstellern gehören Nestlé, Danone, FrieslandCampina, Kraft Heinz, Abbott und Reckitt Benckiser, der vor einem Jahr Mead Johnson übernommen hat.

"Wir fordern die Hersteller dazu auf, ihr aggressives Marketing einzustellen", erklärte Jan Friedrich-Rust. "Die Geschäftsführung dieser Unternehmen muss sich eindeutig dazu verpflichten, diese gängige Praxis ein für alle Mal zu beenden. Auch die Investoren müssen ihren Einfluss geltend machen. Wir dürfen nicht vergessen: Hier geht es um das Leben von Kindern." 

Von den 194 Mitgliedsländern der Weltgesundheitsorganisation haben viele zumindest Teile des Regelwerks in nationales Recht gegossen. Doch in 49 Ländern gibt es bislang keinerlei Vorschriften für das Marketing von Milchersatzprodukten. Dies müsse sich dringend ändern, fordern die NGOs.

Quelle: www.aktiongegendenhunger.de 


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