gfbvGöttingen. - Nach der Entdeckung eines Massengrabes in Äthiopien hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine umfassende Aufarbeitung der unter früheren Regierungen begangenen schweren Menschenrechtsverletzungen gefordert. "Ohne eine juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen wird es keinen dauerhaften Frieden und Gerechtigkeit in Äthiopien geben", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

Das Grab mit den Gebeinen von rund 200 Menschen wurde laut GfbV im Ogaden nahe der Grenze zwischen den Regionen Oromia und Somali gefunden. Erst am 21. Oktober hatte die äthiopische Regierung mit der in Somali seit Jahren für einen unabhängigen Staat kämpfenden Bewegung Ogaden National Liberation Front (ONLF) einen Friedensvertrag geschlossen. Zuvor war der langjährige Regionalpräsident Abdi Mohamed Omar abgelöst und festgenommen worden.

Der Warlord Omar gilt als Schlächter, weil er für willkürliche Verhaftungen, Folter und Vergewaltigungen von Somalis verantwortlich war, die im Ogaden leben, so die GfbV. Tausende Somalis gelten bis heute als verschwunden. Sie kamen vermutlich im Gewahrsam der Sicherheitsbehörden gewaltsam zu Tode. Omar habe ganze Gebiete des Ogaden aushungern lassen, um die ONLF zu schwächen und systematisch Spannungen zwischen ethnischen Gruppen geschürt. So habe er Somali-Nomaden gegen Oromo-Bauern aufgehetzt. Allein 2017 hätten deshalb mehr als 100.000 Menschen fliehen müssen. "Diese Spannungen halten bis heute an, so dass eine juristische Aufarbeitung seiner Schreckensherrschaft auch zum Abbau von Feindschaft und Gewalt beitragen könnte", sagte Delius.

Journalisten und Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen wurde jahrelang der freie Zugang zum Ogaden verwehrt, so dass die meisten Übergriffe nicht aufgeklärt werden konnten. Wer trotzdem versuchte, die Genozid-ähnlichen Verbrechen aufzuklären, wurde massiv abgestraft. So wurden die schwedischen Journalisten Johan Persson und Martin Schibbye im Jahr 2011 festgenommen und zu elf Jahren Haft verurteilt, weil sie illegal in das Gebiet der ONLF eingereist waren. Sie wurden erst nach mehr als 400 Tagen Gefängnis freigelassen.

Der Ogaden gilt als Schlüssel zur Kontrolle des Horns von Afrika. Äthiopiens neue Regierung habe daher größtes Interesse an Frieden und Stabilität in der an Erdöl und Erdgas reichen Region, erklärte die GfbV. Mehrfach führten Äthiopien und Somalia bereits Krieg, um sich die Kontrolle über den Ogaden zu sichern.

Quelle: www.gfbv.de 


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