London/Genf (epo). - Weltweit sind 9,2 Millionen Menschen aufgrund von Konflikten oder wegen massiver Umweltzerstörung aus ihrer Heimat ins Ausland geflohen. Doch während die Zahl der Flüchtlinge, die im Ausland Schutz suchen, auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren ist, steigt die Zahl der Binnenflüchtlinge. Rund 25 Millionen Menschen sind nach dem heute in London veröffentlichten Flüchtlingsbericht der Vereinten Nationen davon betroffen. Allein in Afrika gibt es vor allem aufgrund langjähriger Konflikte wie im Kongo und im Sudan mehr als 7,5 Millionen "intern Vertriebene".

Der Bericht des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) nennt Bürgerkriege und Konflikte innerhalb eines Landes als wichtigste Ursachen für die Flucht. UNHCR-Hochkommissar António Guterres sagte, das Problem der Binnenvertriebenen sei "das größte Versagen im Bereich der humanitären Arbeit". Da die Betroffenen nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention fallen, benötigten sie jede möglicher Unterstützung.

Nach Angaben des UNHCR sinkt auch die Zahl der Asylsuchenden. Millionen Menschen seien in ihre Heimatländer zurückgekehrt, allein Afghanistan habe mehr als vier Millionen Rückkehrer aufgenommen. Hunderttausende seien in ihre Heimatländer Angola, Sierra Leone, Burundi und Liberia zurück gereist. Ob die zurückgekehrten Menschen aber dauerhaft in ihrem Herkunftsland leben könnten, sei zweifelhaft, warnt der Bericht.

UNHCR

Asylsuchenden gegenüber sei weltweit eine wachsende Intoleranz festzustellen, heißt es im "State of the World's Refugees 2006". Sie würden häufig als "illegale Einwanderer, mögliche Terroristen und Kriminelle, oder - im günstigsten Fall - als Schwindler" behandelt.

Antonio Guterres warf den reichen Ländern "Egoismus" vor. Die "Terrorismusgefahr" müsse als Vorwand dafür herhalten, immer strengere Asylrechtsregelungen einzuführen. Häufig würden Asylsuchende schon auf dem Meer abgefangen und in Lager außerhalb der Asylländer gesperrt. Damit würden "Kernelemente des Flüchtlingsstatus" in Frage gestellt, sagte Guterres in London bei der Vorstellung des Berichts.

 UNHCR


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