Berlin. - Die Klimakrise stellt auch den internationalen Tierschutz vor enorme Herausforderungen. Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober hat die Welttierschutzgesellschaft (WTG) auf die dramatischen Auswirkungen hingewiesen, unter denen die Tierwelt in vielen Regionen der Welt leidet. Berichte von Projektpartnern der WTG auf vier Kontinenten belegen: Nicht nur das Wohl von Wildtieren ist beeinträchtigt. Auch Nutz- und Streunertiere spüren die Folgen der Klimaveränderungen.

"Schwellen- und Entwicklungsländer sind besonders stark vom sich wandelnden Klima betroffen. Gleichzeitig fehlt es in diesen Ländern häufig an Ressourcen, um Tiere vor den Folgen von Extremwetterereignissen zu schützen. Anlässlich des Welttierschutztages mahnen wir, die Tiere bei den Klimaschutzmaßnahmen nicht zu vergessen", sagte Katharina Kohn, Geschäftsführerin der Welttierschutzgesellschaft (WTG) in Berlin.

Nutztiere wie Esel, Rinder, Schafe und Ziegen, die in den besonders betroffenen Regionen für das Überleben der Menschen existentiell sind, leiden aus einer Vielzahl von Gründen unter der Klimakrise: Steigende Temperaturen sorgen bei ihnen für mehr Hitzestress, schwächen ihre Arbeitskraft und machen sie anfälliger für Parasiten und Seuchen. Darauf hat aktuell auch die Globale Anpassungskommission in ihrem Bericht für den UN-Klimagipfel im September hingewiesen.

Ein Blick auf die internationale Projektarbeit der Welttierschutzgesellschaft macht weitere Problematiken sichtbar: Dürren steigern die Arbeitsbelastung der Tiere, da sie weitere Wege zu Weideflächen oder zum Wasserholen zurücklegen müssen. Zudem führen hohe Preise für Tierfutter in Folge vermehrter Missernten dazu, dass Landwirten weniger Geld für die tiermedizinische Versorgung bereitsteht.

Auch Streuner – domestizierte, aber besitzerlose Tiere wie Hunde oder Katzen – sind von den Folgen der Klimakrise betroffen. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) tritt extreme Hitze in Entwicklungsländern heute im Vergleich zu den späten 1990ern um 20 Prozent mehr auf. In diesen Ländern mit meist hohen Streunerzahlen wird akuter Flüssigkeitsmangel zunehmend zu einem Problem für die Tiere. Darüber hinaus leiden Streuner unter den Folgen von Naturkatastrophen wie tropischen Wirbelstürmen in besonderem Maße. Denn koordinierte Hilfsaktionen gibt es für sie meist nicht. Es liegt dann an Tierschutzorganisationen, wie z.B. im Mai nach dem Zyklon Fani in Indien, möglichst vielen Tieren ein Überleben zu ermöglichen.

Bei den Wildtieren zeigen sich die weitreichenden Probleme, die mit der Klimakrise einhergehen, in immer mehr Facetten. Drei Beispiele aus der WTG-Umfrage: Stark schwankende Temperaturen im Winter stören die Ruhephasen von Braunbären in der Ukraine und Rumänien. Auf Sumatra ist aktuell zu beobachten, dass die lang anhaltende Trockenzeit wilde Elefanten von Nahrungsquellen abschneidet. Und im südamerikanischen Suriname häufen sich Rettungsaktionen von geschwächten Faultieren, die einen schlechten Ernährungszustand aufweisen.

Ob wild, streunend oder in menschlicher Haltung – Tiere sind schwer von den Folgen der Klimakrise betroffen und ihr Leben ist davon abhängig, dass Klimaschutzmaßnahmen weltweit konsequent umgesetzt werden. Die Welttierschutzgesellschaft hat sich deshalb mehrfach den globalen Klimastreiks angeschlossen, um Aufmerksamkeit für diese Problematik zu schaffen.

"Es bedarf konkreter, tierspezifischer Maßnahmen, um eine Anpassung an die neue Klimarealität zu ermöglichen. So müssen nationale Evakuierungs- und Unterbringungsstrategien für Tiere vorliegen, die im Katastrophenfall greifen. Außerdem sind Präventionsmaßnahmen nötig, die für die Tiere ein Überleben trotz der sich verschärfenden Klimakrise ermöglichen", sagte WTG-Geschäftsführerin Kohn.

Um Tierhalterinnen und Tierhalter auf Wetterextreme wie Dürren und Fluten vorzubereiten, unterstützt die Welttierschutzgesellschaft verschiedene Maßnahmen und leistet zum Beispiel Hilfestellung beim Anbau von robusten Futterpflanzen, der richtigen Lagerung und Speicherung von Wasser und beim Bau von stabilen Ställen.

Quelle: www.welttierschutz.org 


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