mccBerlin. - Der erbitterte Handelskrieg zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China hat den Warenverkehr spürbar gedrosselt: 15 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor wurden in den ersten elf Monaten 2019 in die eine oder andere Richtung geliefert – und viele Strafzölle beginnen erst mit Zeitverzug zu wirken. Einer neuen Studie zufolge bewirken diese Handelshemmnisse auch, dass Treibhausgas-Emissionen leicht sinken. Die Untersuchung entstand unter Mitwirkung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change).

Auf Basis eines Berechenbaren Allgemeinen Gleichgewichtsmodells liefert das Autorenteam konkrete Zahlen zum Zusammenhang von Handelsintensität und Emissionen. Es analysiert sowohl den aktuellen amerikanisch-chinesischen Handelskrieg als auch verschiedene Szenarien für die langfristige Entwicklung des Welthandels. Demnach werden die bis November 2019 angekündigten Strafzölle den Warenhandel zwischen den USA und China, wenn sie ihre volle Wirkung entfalten, letztlich um fast die Hälfte drücken, die Wirtschaftsleistung fällt dadurch in beiden Ländern etwas geringer aus – und die globalen CO2-Emissionen werden um 0,16 Prozent verringert. Dass es nicht mehr ist, liegt etwa daran, dass sich der Handel mit anderen Regionen intensiviert, Produktionen verlagert werden und zum Teil auch emissionsintensiver erfolgen.

In einem untersuchten Extremszenario zerfällt die Weltwirtschaft infolge dieses Großkonflikts in voneinander abgeschottete Handelsblöcke. Die CO2-Emissionen liegen dann im Jahr 2050 um knapp 5 Prozent niedriger als in einem Basisszenario ohne Handelskonflikte. "Auch das wäre bei weitem zu wenig, um den Klimawandel signifikant zu beeinflussen", ordnet Felix Creutzig, einer der Autoren und Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport, das Ergebnis ein. "Aber es wäre verheerend für die internationale Kooperation in der Welt, die wiederum notwendig ist für den Klimaschutz."

Abschottung führe nicht nur zu substanziellen Wohlfahrtsverlusten, sondern auch zu dramatischen Risiken für das Klima, heißt es in der Studie. So könne der aktuelle Handelskrieg zu einem Desaster für den Amazonas-Regenwald führen, weil China zunehmend Soja aus Brasilien statt aus den USA beziehe. Zudem untergrabe Protektionismus die internationale Kooperation, die man brauche, um den Klimawandel zu bekämpfen. Auch der Zugang zu sauberen Technologien werde dadurch erschwert.

"Der internationale Handel sollte kooperativ angelegt sein", betont MCC-Forscher Creutzig. "Eine Grenzausgleichssteuer als Ergänzung heimischer CO2-Preise, wie sie jetzt auch im Green Deal der neuen EU-Kommission angedacht ist, kann möglicherweise helfen, den Welthandel klimafreundlicher zu machen. Aber protektionistische Strafzölle gewiss nicht."

Quelle: www.mcc-berlin.net 


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