misereorAachen. - Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen für das Jahr 2030 fordern die Weltgemeinschaft dazu auf, "niemanden zurückzulassen". Am Welttag der sozialen Gerechtigkeit (20. Februar) konstatiert das katholische Hilfswerk MISEREOR, "dass dieses Ziel in weiter Ferne bleibt". Obwohl die Ungleichheit gemessen am Pro-Kopf-Einkommen in den vergangenen Jahrzehnten global gesehen abgenommen habe, gehe die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb vieler Länder immer noch weit auseinander.

"Zu viele Menschen werden vom Wohlstand abgehängt", sagte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. "Dieser Missstand ist vielfach die Folge einer verfehlten Politik, etwa wenn Arbeitsplätze unsicher bleiben, Menschen nur Jobs im Niedriglohnsektor finden, ganze Regionen oder Bevölkerungsgruppen vernachlässigt werden."

Wenn erkennbar sei, dass nachholende Entwicklung oder Sozialpolitik als Verteilung von Wirtschaftswachstum nicht mehr ausreichen, müsse soziale Gerechtigkeit neu ausbuchstabiert werden, betonte Spiegel. "Wir benötigen den Mut, neue Antworten für neue Herausforderungen zu suchen. Dafür ist eine wache und zum Dialog fähige Zivilgesellschaft von höchster Bedeutung."

Soziale Gerechtigkeit sei auch deswegen ein zentraler Faktor für die Entwicklungszusammenarbeit, "weil sie die Klammer ist, um Armutsbekämpfung und sozial-ökologische Transformation zusammenzuführen", so Spiegel. Das eine dürfe nicht gegen das andere ausgespielt werden.

"Wenn wir Rohstoffe abbauen für Elektromobilität, darf das nicht auf anderen Kontinenten zu Vertreibung von Menschen und zur Ausbeutung und Zerstörung von Lebensräumen führen. Wenn wir hierzulande die Kohleverstromung beenden, die Landwirtschaft umbauen und dadurch Strom oder Lebensmittel teurer werden, dürfen in der Folge die ärmeren Bevölkerungsgruppen nicht zu Benachteiligten der Umgestaltung werden", mahnte Spiegel. Gerade sie seien durch entsprechende politische Maßnahmen zu unterstützen.

Der sozial-ökologische Umbau kann aus der Sicht von MISEREOR nur in einer gerechten Gesellschaft erfolgreich vollzogen werden. Die UN-Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, sei in diesem Sinne ein anspruchsvoller, aber auch notwendiger Ansatz.

Quelle: www.misereor.de 


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