oecd 80Berlin. - Afrikanische Unternehmen sind der Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufstieg des Kontinents, aber Regierungen müssen bessere Rahmenbedingungen für deren Erfolg schaffen. Das zeigt die zweite Ausgabe des gemeinsamen Wirtschaftsberichts Africa's Development Dynamics 2019 der African Union Commission und des OECD Development Centre, der am Freitag gemeinsam mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin vorgestellt wurde.

Wie Vertreter aus Politik und Wirtschaft im Rahmen der Veranstaltung betonten, ist die transkontinentale Freihandelszone AfCFTA für afrikanische Unternehmen eine große Chance, denn sie öffnet einen Markt mit 1,2 Milliarden Verbrauchern. Ohne entschlossenes Handeln der Politik werde es allerdings kaum gelingen, diese Chance auch zu nutzen.

Die Studie zeigt, dass in Afrika die wachsenden nationalen Märkte gute Möglichkeiten bieten, die Produktionssysteme auf dem ganzen Kontinent zu verändern. Afrikas Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen 2000 und 2018 um jährlich durchschnittlich 4,6 Prozent gewachsen. Davon entfielen 69 Prozent auf das Wachstum der Binnennachfrage. Für 2019 geht der Bericht von einem BIP-Wachstum von 3,6 Prozent aus; für 2020-2023 wird mit einem weiterhin kräftigen Wachstum von 3,9 Prozent jährlich gerechnet. Die Nachfrage nach verarbeiteten Nahrungsmitteln steigt in Afrika 1,5-mal schneller als im weltweiten Durchschnitt. Große panafrikanische Unternehmen ebenso wie einige dynamische Start-ups nutzen diese Expansionschancen bereits, heißt es in dem Bericht.

Gleichzeitig zeige sich, dass Afrika mehr dynamische Unternehmen braucht, damit aus den Chancen tatsächlich höhere Gewinne, neue Investitionen und zusätzliche, bessere Arbeitsplätze erwachsen. Das gelte vor allem für kleine und mittlere Unternehmen in beschäftigungsintensiven Sektoren:

* Afrikanischen Unternehmen gelingt es oft nicht, expandierende Märkte in Nachbarländern zu erschließen: Die Konsumgüterexporte in die Märkte anderer afrikanischer Länder verringerten sich im Verhältnis zum BIP zwischen 2009 und 2016 von 0,8 auf 0,5 Prozent. Die meisten afrikanischen Unternehmen verlieren aktuell neuen Anbietern gegenüber an Terrain – in Afrika wie auch auf anderen aufstrebenden Märkten. Nur 18 Prozent der neuen afrikanischen Exportunternehmen überleben die ersten drei Jahre.

* Auch bei der Produktivitätsentwicklung bleibt Afrika im Rückstand. Seit 2000 liegt die durchschnittliche Arbeitsproduktivität hier weitgehend unverändert bei rd. 12 Prozent des US-Niveaus. Gegenüber Asien gerät Afrika zunehmend ins Hintertreffen. Lag die Produktivität in Afrika im Jahr 2000 bei 67 Prozent des asiatischen Niveaus, waren es 2018 nur noch 50 Prozent.

"Eine schnellere Entwicklung der Produktivwirtschaft in Afrika ist entscheidend, um die Ziele der Agenda 2063 der Afrikanischen Union zu verwirklichen. Wir müssen unsere Wirtschaftsstrukturen umbauen, um ein starkes, robustes und inklusives Wachstum mit neuen Arbeitsplätzen und Chancen für alle zu schaffen", erklärte Prof. Victor Harison, Wirtschaftskommissar der Afrikanischen Union. Es entstehen zu wenige gute Arbeitsplätze: In manchen Ländern arbeiten fast 91 Prozent der Beschäftigten (außerhalb der Landwirtschaft) in informellen bzw. prekären Beschäftigungsverhältnissen.

"Das Inkrafttreten des afrikanischen Freihandelsabkommens im Jahr 2019 war Ausdruck des starken Engagements der afrikanischen Staats- und Regierungschefs für einen produktiven Wandel. Um auf diesem neuen, größeren Markt zu bestehen, müssen die afrikanischen Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit beweisen und Investoren gewinnen, auch aus Europa. Sie brauchen eine mutige und intelligente Politik, die sie dabei unterstützt", sagte Mario Pezzini, Leiter des OECD Development Centre und Berater des OECD-Generalsekretärs in Entwicklungsfragen.

=> Africa's Development Dynamics 2019

Quelle: www.oecd.org 


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