caritasFreiburg. - Der Deutsche Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international beobachtet mit größter Sorge, wie derzeit Millionen von Geflüchteten in Flüchtlingslagern weltweit ihrem Schicksal überlassen werden. "Zehntausende bis Hunderttausende Menschen leben in diesen Lagern unter katastrophalen hygienischen Bedingungen auf engstem Raum zusammen. Das ist der ideale Nährboden für das Corona-Virus", warnte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher.

Schon aus Eigennutz müsse sofort gehandelt werden, so Neher: "Wir können es uns nicht leisten, derzeit nicht solidarisch zu sein. Grenzen kennt das Virus nicht. Solange es irgendwo auf dieser Welt grassiert und kein Impfstoff verfügbar ist, können die Versäumnisse in anderen Teilen der Welt auch uns immer wieder treffen." Es sei deshalb fatal, dass die Lager immer öfter abgeriegelt würden und Helfern der Zugang verwehrt werde. Anstelle der Abriegelung fordert Caritas international eine koordinierte Hilfsaktion für die Flüchtlingslager in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa.

Besonders besorgniserregend ist die Lage aktuell in Kutupalong (Bangladesch), dem mit 855.000 Menschen größten Flüchtlingslager der Welt. Seit Februar wird das Lager mit Zäunen abgeriegelt, Helfer haben seit März kaum noch Zugang, selbst der Zugang für medizinisches Personal von Polizei und Militär wird streng reglementiert. Da das Mobilfunknetz ausgesetzt wurde, haben die Geflüchteten auch keine Möglichkeit mehr, sich eigenständig über Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten zu informieren. "Wenn es in Kutupalong zu einem Ausbruch des Virus kommt, müssen wir davon ausgehen, dass Tausende sterben werden", sagte Christin Mothsche, die in Bangladesch die Hilfsprojekte von Caritas international koordiniert.

Im größten afrikanischen Lager, Daadab in Kenia, leben derzeit laut Schätzungen rund 220.000 Menschen. Das Lager, das ursprünglich vor allem für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Somalia aufgebaut worden war, ist in den vergangenen Wochen vor allem aufgrund der verheerenden Heuschreckenplage und einer Dürre zum Anlaufpunkt für zehntausende Menschen geworden, die auf Hilfe angewiesen sind.

Jürgen Prieske, Nothilfe-Koordinator von Caritas international in Kenia, berichtete: "Wir haben es mit extrem geschwächten Menschen zu tun, die in einem Umfeld leben, in dem schon die Basisversorgung nicht gewährleistet ist. Diesen Menschen ist es gar nicht möglich, über Corona überhaupt nachzudenken. Die haben erstmal schlicht Hunger. Abstand halten und Hände waschen, ist da keine Priorität, weil es ohnehin nicht umzusetzen ist."

Schnelles Handeln ist auch in den griechischen Lagern notwendig. Deshalb begrüßt der Deutsche Caritasverband, dass europäische Staaten angekündigt haben, Kinder und Jugendliche aus den überfüllten Lagern aufnehmen zu wollen. Griechenland-Referent Gernot Krauß: "Dieser Ankündigung müssen jetzt Taten folgen. Aus humanitärer Sicht wäre zudem eine Rettungs-Aktion für die rund 200 im Lager befindlichen alten Menschen, für die das Corona-Virus erheblich gefährlicher ist, dringlicher. Über die spricht jedoch niemand."

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverband, ist weltweit mit 166 lokalen Caritasverbänden verbunden. In 70 Ländern werden derzeit Hilfsprojekte an die Erfordernisse der Corona-Pandemie angepasst.

Quelle: www.caritas-international.de 


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