London. - Die Militärregierung im Niger hat den Lufraum über dem westafrikanischen Land am Sonntag geschlossen. Das hat der Londoner Guardian unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Am selben Tag lief ein Ultimatum der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) ab, die mit einer militärischen Intervention gedroht hatte, falls der von seiner eigenen Leibgarde gestürzte Präsident Mohamed Bazoum nicht wieder in sein Amt eingesetzt würde.

Grund für die Schließung des nigrischen Luftraumes sei "die Gefahr einer Intervention", sagte ein Militärsprecher am Sonntagabend im nationalen Fernsehsender. Die Streitkräfte und alle nationalen Sicherheitskräfte könnten sich auf die Unterstützung des Volkes verlassen und seien bereit, die Integrität ihres Landes zu verteidigen.

Die kompromisslose Haltung der Junta wurde von tausenden Anhängern begrüßt, die sich zur Unterstützung im Stadion der Hauptstadt versammelt hatten. Die Regierungen der Nachbarländer Mali und Burkina Faso, die ebenfalls durch einen Militärputsch an die Macht kamen, hatten davor gewarnt, dass sie jegliche Intervention im Niger als Kriegserklärung betrachten würden.

Als Ursachen für den Putsch gelten die Unzufriedenheit der Militärs über die geringen Erfolge beim Kampf gegen den Islamistischen Staat, aber auch die niedrige und unregelmäßige Bezahlung der Truppe. Hinzu kommt wachsende Wut vor allem in der jüngeren Bevölkerung über die grassierende Armut trotz riesiger Rohstoffvorkommen und die anhaltende Ausbeutung des Landes durch westliche Bergbaukonzerne sowie die Aufrechterhaltung kolonialer Abhängigkeiten insbesondere durch die frühere Kolonialmacht Frankreich. In Afrika wolle, so die taz, "eine neue Generation auch die unansehnlich gewordenen demokratisch-liberalen Fassaden beiseite schieben und ein selbstbewusstes Afrika entstehen lassen, das sich in jeder Hinsicht vom kolonialen Erbe emanzipiert – ausgehend vom kulturellen Selbstverständnis über die ökonomische Einbindung bis hin zu den politischen Systemen. Sie kennt die Kolo­nial­zeit nicht einmal mehr aus den Erzählungen der Eltern. Sie kann sich gar nicht mehr positiv oder negativ gegenüber der Kolo­nial­erfahrung definieren. Sie will eigene afrikanische Erfahrungen und schafft sie notfalls selbst."

"Nach allen grundsätzlichen Kriterien ist eine Militärintervention in Niger voll gerechtfertigt.", schreibt Dominic Johnson in der taz. "Der legitime Präsident wird von illegitimen Putschisten festgehalten und er hat anders als andere weggeputschte Präsidenten in Westafrika nicht seinen Rücktritt erklärt, sondern die Welt um Hilfe gebeten.Die Interventionisten haben zwar recht mit der Analyse, dass dieser Putsch die regionale Sicherheit gefährdet. Für die Intervention gilt das allerdings auch. Es gibt auch zu denken, dass ausgerechnet die zunehmend unbeliebte Exkolonialmacht Frankreich am lautesten zum Eingreifen in Niger ruft."


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