??berflutetes Flussdelta des Irrawaddy in Myanmar. Foto: NASAYangon/Berlin (epo.de). - Vier asiatische Mitglieder eines UN-Teams zur Katastrophen-Koordination haben fünf Tage nach dem verheerenden Zyklon Niargas von der Militärjunta in Myanmar (Birma) die Erlaubnis zur Einreise erhalten. Einem fünften Team-Mitglied nicht-asiatischer Herkunft werde das Visum weiter verweigert, teilte der Leiter des UN-Büros für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten (OCHA), in New York mit. Unterdessen wächst der internationale Druck auf die Militärs, das Land für internationale Hilfseinsätze zu öffnen. Ein US-Diplomatin befürchtet, der Zyklon könnte 100.000 Todesopfer gefordert haben.

Wie OCHA-Leiter John Holmes weiter mitteilte, wird in der birmanischen Hauptstadt Yangon (Rangun) ein UN-Transportflugzeug aus Italien mit Hilfsgütern und einem weiteren Koordinationsteam erwartet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die politische Führung in Myanmar, internationale Hilfskräfte ins Land zu lassen. "Given the magnitude of this disaster, the Secretary-General urges the Government of Myanmar to respond to the outpouring of international support and solidarity by facilitating the arrival of aid workers, and the clearance of relief supplies in every way possible", heißt es in einer UN-Stellungnahme.

Das Auswärtige Amt in Berlin stellte deutschen Hilfsorganisationen eine Million Euro für die Menschen in Myanmar zur Verfügung. Nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" fehlt es an sauberem Trinkwasser, Medikamenten und Notunterkünften. Die deutsche Bundesregierung rief die Militärregierung dazu auf, einen besseren Zugang für Hilfsorganisationen zu schaffen.

Nach Angaben der Militärregierung hat der Zyklon rund 23.000 Menschenleben gekostet, mehr als 42.000 Opfer des Wirbelsturms würden noch vermisst. Dies meldete der staatliche Radiosender am Mittwoch abend. Es wird geschätzt, dass eine Million Menschen obdachlos wurden und deutlich mehr als eine Million Menschen vor allem im Delta des Irrawaddy-Flusses auf Hilfe angewiesen sind.

Die ranghöchste US-Diplomatin in Myanmar rechnet hingegen mit mehr Opfern. "Die Informationen, die wir erhalten, deuten auf mehr als 100.000 Tote hin", sagte Shari Villarosa unter Berufung auf eine nicht genannte internationale Hilfsorganisation am Mittwoch in Yangon. Allein im Irrawaddy-Delta gebe es bei einer Bevölkerung von sechs Millionen rund 70.000 Vermisste.

Janet Lim, die Asien-Verantwortliche des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Genf, teilte am Mittwoch mit, die Militärjunta habe noch keine Einfuhrerlaubnis für 22 Tonnen Hilfsgüter erteilt. Die Lastwagen warteten an der thailändischen Grenze, bis sie passieren dürften.

Doch der internationale Druck auf die Militärmachthaber in Myanmar wächst. "Ich appelliere nochmals an die Behörden in Myanmar, allen Helfern ungehinderten Zugang zu den Katastrophengebieten zu gewähren und eine effektive internationale Hilfsoperation zu ermöglichen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Sein französischer Kollege Bernard Kouchner verwies auf das Konzept der "responsibility to protect", das die UN-Generalversammlung 2005 angenommen hatte und das vorsieht, der Bevölkerung in Notsituationen auch ohne Zustimmung der Regierung Hilfe zu leisten.

"The Burmese military is overly concerned about white faces running amok, snooping around, seeing what they are doing", sagte der im thailändischen Exil lebende Politikwissenschaftler Aung Naing Oo dem humanitären UN-Informationsdienst IRIN. "They are paranoid about western interference."


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