Berlin (epo.de). - Schätzungsweise 3,8 Milliarden Menschen, die Hälfte der Weltbevölkerung, haben statistisch gesehen Zugang zu einem Mobiltelefon. 1,5 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern besitzen ein Mobiltelefon und können lesen und schreiben. Doch viele haben keine Arbeit und leben von weniger als drei US-Dollar pro Tag. Diese Umstände macht sich ein neues Startup-Unternehmen zu Nutze, das von Nathan Eagle, einem Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT), gegründet worden ist. "txteagle" vermittelt per SMS Mini-Aufträge an die Handy-Nutzer, etwa kleine Übersetzungsarbeiten, die Verschlagwortung von Fotos oder die Niederschrift einer Audio-Datei.



Eagles Idee basiert auf dem "Mechanical Turk" von Amazon, einer Internetplattform, auf der kleinere Aufgaben, die Menschen besser erledigen können als Computer, vermittelt werden. Eagle geht davon aus, dass die Englisch sprechenden Mobilfunknutzer in Entwicklungsländern täglich 250 Millionen freie Arbeitsstunden zur Verfügung hätten - wenn sie denn Aufträge bekämen. Mit der schnellen Erledigung kleiner textbasierter Aufgaben könnten viele von ihnen ihr Einkommen von drei Dollar pro Tag auf drei Dollar pro Stunde steigern.

Der Massai-Hirte und Mobilfunknutzer David in Kenia. Foto: txteagle


"Given high rates of unemployment and marginal income sources, much of this population would greatly benefit from even an extra dollar per day. While Amazon’s Mechanical Turk has successfully introduced “human intelligence tasks” that can be completed by individuals with a personal computer connected to the internet, txteagle is attempting to untether some of these tasks from the PC. This empowers the billions of mobile phone subscribers to earn small amounts of money by completing short tasks."

Die Auftraggeber könnten durch die Auslagerung von Aufgaben in ländliche Regionen in Ländern des Südens beträchtliche Kosten sparen. Nathan Eagle schätzt, dass Unternehmen für das Outsourcing von Arbeiten wie Übersetzungen, die Transskription von Gebrauchsanleitungen oder die Beschreibung von Ersatzteilen für Verkaufsbroschüren weltweit jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar ausgeben.

ZIELGRUPPE LÄNDLICHE ARME

Zielgruppe von txteagle sind die ländlichen Armen, die kaum Zugang zu bezahlter Arbeit haben. 65 Prozent der Afrikaner südlich der Sahara leben auf dem Land, meist ohne stabile Stromversorgung oder Festnetz-Telefonleitung. Der kenianische Mobilfunkanbieter Safaricom hat mehr als 10 Millionen Kunden. Ein Viertel von ihnen nutzt bereits "M-Pesa", eine Mobilfunk-Lösung für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Mit dem Slogan "Mobile Money for the Unbanked“ bietet die Vodacom-Tochter Menschen in Ostafrika die Möglichkeit, Geld in Annahmestellen einzuzahlen und den Beleg per SMS an einen Empfänger zu schicken. Der geht mit der Textnachricht in einen Laden oder an eine Tankstelle und lässt sich die Summe auszahlen. Das ist ein erheblicher Fortschritt, denn nur rund 20 Prozent der Menschen in Sub-Sahara-Afrika verfügen über ein Bankkonto.

Wenn nur fünf Prozent der Safaricom-Kunden täglich zwei Stunden txteagle-Aufgaben erledigen, so die Rechnung von Nathan Eagle, würde dies ein jährliches Einkommen von 1,2 Milliarden US-Dollar generieren und das Bruttonationalprodukt von Kenia um 17 Prozent steigern.

Der Mobiltelefon-Hersteller Nokia, der das txteagle-Konzept unterstützt, lässt über den SMS-Dienst Begriffe wie "Adressbuch" in die lokale kenianische Sprache Giriama übersetzen oder eine Spracherkennungssoftware in der Sprache Luo trainieren. In Kenia werden schätzungsweise 40 lokale Sprachen gesprochen - ein Markt, auf dem derjenige Mobiltelefonhersteller Vorteile hat, der angepasste Sprachversionen seiner Software vorweisen kann.

Neben Kenia will txteagle einen Dienst in der Dominikanischen Republik anbieten, wo der Mobilnetzbetreiber Viva als Partner gewonnen werden konnte. Nathan Eagle und seine Partner, zwei Mobilfunk-Unternehmer in Kenia und in Ruanda, wollen ihre SMS-Arbeitsvermittlung aber auch in anderen afrikanischen und südamerikanischen Ländern anbieten.

Txteagle könnte mit dem lange verbreiteten Vorurteil aufräumen, High-Tech Anwendungen seien in Ländern mit bitterer Armut ein Luxus. Nicht wenige Slumbewohner in Afrika, die ein Mobiltelefon besitzen, bringen an ihrer Hütte ein Schild mit ihrer Telefonnummer an. Denn leicht erreichbar zu sein ist eine wichtige Errungenschaft. Eagle, der an Universitäten in Kenia und Äthiopien unterrichtet hat, nennt als Beispiel einen Massai-Hirten in Kenia:

"David, Maasai Herdsman, Kisumu, Kenya. While David had been unable to complete formalized education, he, along with many of his Maasi peers, does own a mobile phone. David completes voice-tasks, helping Nokia train a speech recognition engine on his native Maasai dialect. When David wishes to complete a task, he ‘flashes’ the txteagle Asterisk box that calls him back, asking him to repeat specific key words and phrases. After 30 minutes of work, David has earned enough airtime to last him a week (assuming he doesn’t trade it again for another necklace to give to his new wife)."

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