GenreisBerlin (epo.de). - Genetisch verändertes Saatgut hat bisher nur einen begrenzten Nutzeffekt in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zu diesem Ergebnis kommt der Endbericht zum Projekt "Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Entwicklungsländern" des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Die am Mittwoch veröffentlichte Studie war vom Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (AWZ) des Deutschen Bundestages angeregt worden.

Die Studie hält fest, die Datenlage zu den sozioökonomischen Effekten von transgenem Saatgut sei nach wie vor unzureichend und lasse nicht einmal auf nationaler Ebene eine abschließende Bewertung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Effekte zu. "Im Fazit heißt das: die Frage, ob gentechnisch veränderte Pflanzen in absehbarer Zukunft nachhaltige, angepasste Optionen für unterschiedlich entwickelte Agrarwirtschaften bieten können, lässt sich gegenwärtig nicht fundiert beantworten", erklärte das KATALYSE Institut in Köln, das eine Länderstudie zu Brasilien verfasst hat. Das TAB hatte 2006 Fallstudien für die Länder Brasilien, Chile, China und Costa Rica in Auftrag gegeben. Der von Arnold Sauter vom TAB erarbeitete Endbericht fasst die Einzelstudien zusammen. Er wurde am 22. April im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vorgestellt und soll auch im AWZ noch besprochen werden.

Für Brasilien hält Regine Rehaag vom KATALYSE Institut folgendes Szenario für wahrscheinlich und plausibel:

"Für die Zukunft wird erwartet, dass die Zahl der transgenen Sorten und die Größe der Produktionsflächen deutlich steigen werden. Insbesondere die Sojaflächen könnte im Rahmen der Biodieselproduktion noch einmal enorm ausgedehnt werden. Auch im Zuge der Ausweitung des Zuckerrohranbaus als Bioenergieträger dürften transgene Sorten zukünftig eingesetzt werden. Der konventionelle Produktionssektor dürfte auf Dauer ein Nischen- bzw. Spezialmarkt werden".

ÖKOLOGISCHER UND SOZIALER NUTZEN NICHT ZU BELEGEN

Auf Initiative der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) wurde der Bericht am Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Er sei eine "faire und objektive Gesamtschau" und tue "angesichts der erregten Debatte zu den jüngsten Entscheidungen der Bundesagrarministerin zu gentechnisch verändertem Mais und Kartoffeln gut", sagte der EED-Agrarexperte Rudolf Buntzel. VWD, EED und NABU teilen einhellig die Meinung des Berichts, wonach die bisherigen Vorteile transgener Pflanzen für Entwicklungsländer sehr begrenzt sind.

"Für uns stellt dieser Bericht einen annehmbaren Prozess der wissenschaftlichen Bewertung dar", erklärte Stephan Albrecht, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. "Man kann diesen Fallstudien und dem Gesamtbericht bescheinigen, dass es sich nicht um eine unvoreingenommene Sicht handelt."

"Der TAB Bericht belegt eindringlich, dass selbst nach zwölf Jahren großflächigem Einsatzes von transgenem Saatgut der ökonomische ökologische und soziale Nutzen nicht zu belegen ist. Daher sollten Forschung und Entwicklung für nachhaltigere und ökologische Alternativen zur Agrogentechnik gestärkt werden", betonte Steffi Ober vom NABU.

Ana de Ita, wissenschaftliche Mitarbeiterin von CECCAM aus Mexiko, forderte nach Lektüre des Berichts den Deutschen Bundestag auf, sich gegen die jüngste Entscheidung der mexikanischen Regierung auszusprechen: Mexiko hatte sein Moratorium auf die Freisetzung von Genmais aufgegeben. "Mexiko ist die globale Wiege für Mais. Unsere biologischer Reichtum, der der ganzen Welt nutzt, ist durch diese Entscheidung gefährdet", sagte Ana de Ita.

TAB-Arbeitsbericht Nr. 128: "Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven" (PDF, 3,2 MB)
Zusammenfassung des Berichts (TAB)
Bericht des Deutschen Bundestages

www.eed.de
www.nabu.de
www.transgen.de
 

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