Wangari MaathaiBerlin (epo). - Die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat ein stärkeres finanzielles Engagement der Industrienationen bei der Umsetzung der UN-Millenniumsentwicklungsziele zur Halbierung der weltweiten Armut gefordert. Dazu gehöre auch ein Schuldenerlass für die ärmeren Länder, sagte Maathai nach einem Gespräch mit der Grünen-Parteivorsitzenden Claudia Roth und der Vorstandsvorsitzenden der Heinrich-Böll-Stiftung, Barbara Unmüßig, in Berlin.

Zudem seien verstärkte Anstrengungen für einen fairen Welthandel insbesondere mit Afrika notwendig. Gleichzeitig sollten die Industrieländer ihre eigenen Institutionen und Instrumente der Entwicklungsfinanzierung effektiver gestalten, so Maathai.

"Die Regierungen der Entwicklungsländer müssen ihrerseits Entwicklungsziele gegen Armut definieren, massiv die Korruption bekämpfen, funktionierende öffentliche Sektoren aufbauen, die Menschenrechte beachten und Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verankern", sagte Maathai. Weltweite Armutsbekämpfung und globaler Umwelt- und Ressourcenschutz seien die effektivsten Strategien zur Vermeidung von Krisen und Konflikten.

"Die Millenniumsziele zur Armutsbekämpfung sind ein Kompass für die Organisation einer gerechten Weltpolitik. Nicht nur die Entwicklungs- und Außenpolitik, auch die Handels-, Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung müssen zur Umsetzung der Millenniumsziele beitragen", sagte Claudia Roth, Parteivorsitzende von Bündnis90/Die Grünen. "Wir Grünen setzen uns für einen verbindlichen Fahrplan ein, um die deutschen Entwicklungshilfeausgaben auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen. Die dafür notwendigen Mittel wollen wir über innovative Finanzierungsinstrumente, wie beispielsweise durch die Einführung einer europaweiten Devisenumsatzsteuer oder Kerosinsteuer aufbringen. Die internationale Staatengemeinschaft muss sich auf faire Regeln des Welthandels und des Finanztransfers verständigen, um die Globalisierung gerecht zu gestalten", unterstrich Roth.

Barbara Unmüßig betonte, ein deutscher Zeitplan zur Erhöhung der Entwicklungshilfe wäre ein positives Signal vor allem an die armen Länder des Südens und andere Industrieländer wie Kanada und die USA, die das 0,7 Prozent-Ziel ebenfalls weit verfehlten. Die gestrige Entscheidung der europäischen Entwicklungsminister, die Entwicklungsausgaben der EU-Länder bis 2010 auf 0,56 Prozent zu erhöhen und damit das 0,7 Ziel bis 2015 zu erreichen, seien daher ausdrücklich zu begrüßen.

"Zudem sind Reformen in anderen Politikbereichen dringend notwendig", sagte Unmüßig. "Ernsthafte Armutsbekämpfung und globaler Klima- und Umweltschutz brauchen nicht nur mehr Geld: Noch wichtiger sind ökologisch-soziale Reformen in der internationalen Handels- und Finanzpolitik sowie drastische Reduktionen der Klimagasemissionen und des Ressourcenverbrauchs in den Industrieländern und den aufstrebenden Entwicklungsökonomien", forderte Unmüßig.

Armut, Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit könnten in den nächsten Jahren die zentralen Ursachen eskalierender Krisen und Konflikte darstellen. Sicherheit, eine ökologische und sozial gerechte Weltwirtschaftsordnung und die Umsetzung der Menschenrechte müssten daher als gleichrangige politische Ziele behandelt und dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Reform der UNO im Herbst 2005 könne eine neue Grundlage für multilaterale Kooperationen bei globalen Problemen schaffen.

Wangari Maathai stehe wie kaum eine andere internationale Persönlichkeit für den Dreiklang von nachhaltiger Entwicklung, Menschenrechten und Krisenprävention, so Unmüßig. Die kenianische Vizeumweltministerin und Friedensnobelpreisträgerin Maathai befindet sich auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem zweitägigen politischen Besuchsprogramm in Berlin. Dort trifft sie u.a. Außenminister Joschka Fischer, Umweltminister Jürgen Trittin, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen Katrin Göring-Eckhardt und den Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Christian Bode. Am Mittwoch Vormittag kam sie mit Schülern der Hildegard-Wegscheider-Oberschule ins Gespräch, am Donnerstag trifft sie Vertreter der deutschen Kaffeewirtschaft.

Die erste grüne Politikerin Afrikas in einer Regierung und langjährige Umweltaktivistin Maathai erhielt im Oktober 2004 den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz "für nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Frieden". Mit ihrer Organisation Green Belt Movement kämpft Maathai seit den frühen 70er Jahren für den Erhalt des Waldes in Kenia und Ostafrika. Auf die von der Moi-Regierung geschürten ethnischen Unruhen der 90er Jahre reagierte Maathai erfolgreich mit einem eigenen Programm zur Konfliktbewältigung zwischen ethnischen Gruppen des Rift Valley, einer Hochburg der Opposition zu Moi und Hauptschauplatz der blutigen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten. Für dieses Engagement musste sie Haft und Repressalien bis hin zu Misshandlungen ertragen.

Die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt das Green Belt Movement und das Programm zur Konfliktbewältigung seit 1997.

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