Kind in Somalia. Foto: CaritasMogadischu/Berlin (epo.de). - In der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind bei Feuergefechten zwischen islamistischen Milizen, Regierungstruppen und Friedenstruppen der Afrikanischen Union am Freitag mindestens 24 Menschen getötet worden. Am Vortag waren in Zentralsomalia rund 40 Menschen der Gewalt zum Opfer gefallen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnte am Freitag vor einer Hungersnot.

Die Bevölkerung Mogadischus habe sich am Freitag in ihren Häusern verschanzt, nachdem Mörsergranaten in der Stadt eingeschlagen waren, berichteten Zeugen und medizinische Helfer aus der Hauptstadt Somalias.

Weil internationale Helfer aufgrund des sich verschärfenden Bürgerkrieges immer weniger Zugang zur Zivilbevölkerung haben, warnte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius vor einer drohenden Hungerkatastrophe im kommenden Herbst. Die Übergriffe auf Helfer hätten in den letzten sechs Monaten überdies dramatisch zugenommen.

Delius rief die deutsche Regierung und die Europäische Union dazu auf, ihre Bemühungen um Frieden in Somalia zu verstärken, damit die rund 3,9 Millionen Notleidenden versorgt werden könnten. Alle Konfliktparteien müssten aufgefordert werden, den Zugang und die humanitäre Versorgung der Zivilbevölkerung nicht zu behindern.

Die Europäische Union (EU) habe im Zuge der Piratenbekämpfung im Golf von Aden auch "umfassende Maßnahmen" zur Stabilisierung Somalias versprochen. "Nun muss die EU auch Taten folgen lassen und sich stärker für Frieden in Somalia einsetzen", sagte Delius. Er forderte politischen Druck auf die verfeindeten Nachbarstaaten Eritrea und Äthiopien, die in Somalia einen Stellvertreterkrieg führten.

DÜRRE VERSCHÄRFT HUMANITÄRE KRISE

Sorgen bereitet der GfbV auch eine Dürrekatastrophe, die die Existenz von 700.000 Nomaden im Norden Somalias sowie im angrenzenden Puntland und Somaliland akut gefährde. Seit vier Jahren sei der Regen in der Region weitgehend ausgeblieben. Nun drohe die Vernichtung der Viehherden. Die Trockenheit verschärfe die humanitäre Krise im Land.

Hinzu kommt, dass Hilfsorganisationen aufgrund zunehmender Übergriffe dringend benötigtes Personal abziehen mussten. Seit Januar 2008 seien 42 Helfer in Somalia getötet und 33 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen verschleppt worden, berichtete die GfbV. 13 Helfer befänden sich noch immer in den Händen von Entführern.

Das Kinderhilfswerk UNICEF habe die Versorgung von 85.000 Kindern im Süden Somalias aus Sicherheitsgründen bereits aussetzen müssen. Regelmäßig würden Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände der Hilfsorganisationen geraubt. Am 17. August konnte nur mit Mühe ein nächtlicher bewaffneter Angriff auf einen Stützpunkt des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen abgewehrt werden. Drei Angreifer starben bei dem Überfall.

MENSCHEN FLIEHEN AUS SOMALIA

Seit Anfang Mai 2009 seien allein aus der Hauptstadt Mogadischu rund 280.000 Zivilisten vor der eskalierenden Gewalt geflohen, so die GfbV. Mindestens 12.000 Flüchtlinge warteten in der nordsomalischen Küstenstadt Bosasso im Puntland auf gutes Wetter, um mit Hilfe von Schleusern die gefährliche Flucht über den Golf von Aden in den Jemen zu wagen. Mehr als 30.000 Menschen flohen seit Januar 2009 bereits über das Meer. Im Jemen leben bereits rund 500.000 Flüchtlinge aus Somalia unter ärmlichsten Bedingungen.

HUMANITÄRES ENGAGEMENT GEGEN PIRATERIE

Nils Stolberg. Foto: Beluga GroupDer Bremer Reeder Niels Stolberg hat die Bundesregierung aufgefordert, der Piraterie an Somalias Küsten nicht nur mit Kriegsschiffen, sondern auch mit einem wirtschaftlichen Aufbauprgramm entgegenzuwirken. "Wir brauchen ein effektives Hilfspaket der internationalen Gemeinschaft an Land“, sagte Stolberg dem WESER-KURIER (Freitagsausgabe). Militärische Einsätze mit Kriegsschiffen seien zwar nötig, können das Problem aber nicht lösen.

Der Eigner der weltweit führenden Schwergutreederei Beluga Shipping, der vor einem Jahr mit seinem Schwergutfrachter "BBC Trinidad" selbst Opfer von Piraten wurde, sagte der Zeitung, mit einem Fischereiprogramm müsse den Menschen eine wirtschaftliche Grundlage zurückgegeben werden. Die internationale Staatengemeinschaft solle die Gelder zum Aufbau einer Fangflotte und der nötigen Infrastruktur bereitstellen. Die Kosten schätzt Stolberg auf rund eine Milliarde Euro.

Stolberg fordert auch eine Ausdehnung der Hoheitsgewässer Somalias auf 200 Seemeilen. Aus dieser Schutzzone müssten alle anderen Fischfangflotten verbannt werden.

Die Piraterie vor Somalias Küsten war durch illegale Fischfangflotten, auch aus der EU, ausgelöst worden, die die Tatsache nutzten, dass nach dem Zusammenbruch des somalischen Staates und dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 die Hoheitsgewässer des Landes nicht mehr geschützt werden konnten.  

de.wikipedia.org/wiki/Somalia

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