Global NGO ForumBerlin (epo.de). - 15 Jahre nach der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) in Kairo, die den "Kairo Aktionsplan" zur reproduktiven Gesundheit verabschiedete, befasst sich ein internationales NGO-Forum in Berlin mit den bislang erzielten Ergebnissen. Die Konferenz "Global Partners in Action: NGO Forum on Sexual and Reproductive Health and Development", die bis 4. September dauert, soll neben der Bestandsaufnahme auch Wege beraten, wie die Situation von Frauen weltweit verbessert werden kann und wie Regierungen bei der Umsetzung in die Pflicht genommen werden können.

Am NGO Forum nehmen rund 400 Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen teil. Hauptrednerin ist die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).

Zum Auftakt der Konferenz veröffentlichten die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und das Europäische Parlamentarierforum (EPF) am Dienstag die diesjährige Euromapping-Studie (PDF), aus der hervorgeht, dass die Europäische Union (EU) 2006 erstmals mehr Geld für Familienplanung und reproduktive Gesundheit bereitstellte als die USA. Im Jahr 2006 habe die EU ihre Beiträge in diesem Bereich um rund 600 Millionen US-Dollar auf 2,7 Milliarden Dollar erhöht, während die USA ihre Zahlungen um etwa den gleichen Betrag verringerten.

Nach Darstellung der DSW liegen die Investitionen aber nach wie weit unter dem Finanzbedarf für Bevölkerungsprogramme. Die Vereinten Nationen schätzen den globalen Bedarf bis 2015 auf 69,81 Milliarden Dollar, wovon ein Drittel von Geberländern und zwei Drittel von den Empfängerländern selbst aufzubringen sind. Der Anteil der Geberländer müssste sich somit auf 23,27 Milliarden Dollar belaufen. "Zuletzt zahlten alle Geberländer, inklusive der europäischen, jedoch nur 7,38 Milliarden US-Dollar", so die DSW. Um den Finanzbedarf für Familienplanung und reproduktive Gesundheit im Jahr 2015 abzudecken, müsste sich die Entwicklungshilfe bis dahin verdreifachen.

"Gerade Deutschland als einer der großen Entwicklungshilfegeber in Europa muss hier handeln", forderte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Die Bundesregierung hat im letzten Jahr zwar erfreulicherweise ihre Entwicklungshilfe insgesamt erhöht, doch der Gesundheitsbereich, insbesondere Familienplanungsprogramme, profitiert davon zu wenig. Gesundheit hat in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit noch immer einen zu geringeren Stellenwert."

Weil Aufklärung und Verhütungsmittel fehlen, so die DSW, werden jährlich etwa 76 Millionen Frauen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger. An Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt sterben jedes Jahr mehr als eine halbe Million Frauen. Eine der Hauptgründe: In den ärmsten Ländern der Welt wird nur jede dritte Entbindung von ausgebildetem Gesundheitspersonal betreut.

Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) erklärte, täglich erlitten Frauen überall auf der Welt Gewalt, würden diskriminiert und arbeiteten im informellen Sektor unter gesundheitsschädlichen und oft sogar tödlichen Bedingungen.

"So lange Frauenrechte nicht als Menschenrechte anerkannt sind und Frauen weltweit weiter sexuelle und andere Gewalt erleiden, haben wir keine wirklichen Fortschritte erreicht". sagte die Gesundheitsexpertin des EED, Sonja Weinreich.

www.globalngoforum.de

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