Malariakrankes Kind in Tansania. Foto: action medeorBerlin (epo.de). - Die Europäische Union drängt Länder wie Indien oder Ecuador dazu, Patentrechte einzuführen, die deutlich über die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) hinausgehen. Die EU stelle damit "die Interessen der Pharmakonzerne über die Gesundheit von zwei Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu grundlegenden Medikamenten haben", heißt es in der gemeinsamen Studie "Trading away Access to Medicines" von Oxfam und Health Action International, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Indien stelle mehr als 80 Prozent der weltweit eingesetzten, bezahlbaren HIV-Medikamente her, erklärte David Hachfeld, Referent für Handelspolitik bei Oxfam Deutschland. Die von der EU angestrebte Verschärfung des Patentrechts würde bedeuten, dass Millionen HIV/Aids-Patienten in den Entwicklungsländern nicht mehr mit billigen Medikamenten versorgt werden können. "Strengere EU-Patentrechte untergraben die Millennium-Entwicklungsziele, weil sie den Handel mit Generika einschränken und so die Preise für Medikamente in die Höhe treiben", sagte Hachfeld.

In der Europäischen Union werde die medizinische Forschung und Entwicklung zu Krankheiten, die hauptsächlich in Entwicklungsländern vorkommen, zudem nicht ausreichend gefördert, kritisiert die Studie. "Die EU muss größere Anstrengungen unternehmen, um die diesbezügliche globale Finanzierungslücke zu schließen", sagte Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne, die Mitglied im Netzwerk Health Action International ist.

Oxfam und Health Action International fordern von der EU einen radikalen Kurswechsel. Sie riefen die EU-Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament dazu auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Handelspolitik die Entwicklungsziele im Gesundheitsbereich nicht untergräbt. Zusätzlich sollten alle europäischen Geber ihre Richtlinien überprüfen, um größtmöglichen Zugang zu Medikamenten in Entwicklungsländern zu erreichen.

"Gefeilsche um den Zugang zu Medikamenten"(PDF)

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