D?IHamburg (epo). - Welche Auswirkungen hat der Globalisierungsprozess mit seinen grenzüberschreitenden Aktivitäten auf die Kultur und das Alltagshandeln der Menschen? Bilden sich im Zuge von Migrationsprozessen grenzüberschreitende - also transnationale - Beziehungen heraus, die die nationalstaatlichen Grenzen unbedeutender werden lassen? Wie funktioniert transnationale Politik? Das aktuell erschienene Schwerpunktheft von Nord-Süd aktuell - publiziert vom Deutschen Übersee-Institut (Hamburg) - geht diesen Fragen nach und thematisiert insbesondere die Netzwerke und Lebensrealitäten von Migranten.

Im Zusammenhang mit Globalisierung stehen zumeist ökonomische und politische Aspekte im Mittelpunkt. Sozio-kulturelle Aspekte werden i.d.R. behandelt, indem nach Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf nationale und lokale Kulturen gefragt wird. Ein in den letzten Jahren zusehends populärer gewordener  Forschungsansatz untersucht die transnationalen Räume, die im Zuge von Migrationsprozessen entstehen und sich zwischen den Herkunfts- und Ankunftsländern aufspannen.

Transnationale soziale Räume verbinden in der Regel ärmere mit reicheren Ländern: Viele Migranten behalten vielfältige ökonomische, politische und kulturelle Bindungen zu den Gesellschaften des Herkunftslandes. Oftmals geschieht dies unabhängig von dem Grad der Integration in die Gesellschaft des Ankunftslandes. Häufig bleibt die Gesellschaft des zurückgelassenen Landes weiterhin der primäre Orientierungspunkt des Handelns von Migranten, während eine Integration in die Ankunftsgesellschaft nicht gelingt oder angestrebt wird. Dies ist nicht nur ein für die Wissenschaft interessantes Phänomen der Globalisierung, sondern hat auch Konsequenzen für die Ökonomie, Kultur und Politik sowohl in den Ziel-, als auch die Herkunftsländern. Beispielsweise sind viele Menschen in ärmeren Ländern auf die finanziellen Transfers durch die inzwischen in den reicheren Ländern lebenden Migranten angewiesen. Transnationale soziale Räume können als wichtige Verbindung zwischen Entwicklungs- und Industrieländern angesehen werden.

Derlei Aspekte beleuchtet die aktuelle Ausgabe von Nord-Süd aktuell. Neben Beiträgen, die sich konzeptionell und theoretisch mit dem Konzept transnationaler Räume befassen (Ludger Pries, Elisabeth Scheibelhofer), werden transnationale Netzwerke von Migranten zwischen Ägypten und Frankreich, dem Sudan bzw. Ghana und Deutschland in ihren kulturellen und ökonomischen Facetten und Funktionen dargestellt (Detlef Müller-Mahn, Cordula Weißköppel, Boris Nieswand). Der Begriff des Transnationalen findet nicht nur im Kontext von Migrationsprozessen Anwendung, sondern kann ebenso die grenzüberschreitende Verbreitung bestimmter kultureller Phänomene bezeichnen, wie es Pierre Hecker anhand der Auswirkungen einer transnationalen Subkultur (der Metal-Scene) im Nahen Osten thematisiert. Neben diesen in erster Linie soziologisch ausgerichteten Beiträgen beschäftigt sich Andreas Nölke auch politikwissenschaftlich mit transnationalen Strukturen, den sogenannten transnationalen Policy-Netzwerken, die in der globalen Politik zunehmend relevant sind.

Jenseits des Schwerpunktthemas greift John Olatunji Adeoti den Zusammenhang von Investitionen in Informationstechnologien und der Wettbewerbsfähigkeit in Nigeria auf. Schließlich beschreibt Ulrich Menzel in einen kurzen Aufsatz die Dekaden der Entwicklungspolitik, dem er eine detaillierte Chronologie der Entwicklungspolitik angefügt hat.

Nord-Süd aktuell 1/2005 - Schwerpunktheft: "Transnationale Räume"

Das Deutsche Übersee-Institut ist die größte Entwicklungsländer-Forschungseinrichtung in Deutschland und besteht aus fünf Mitgliedsinstituten (Institut für Allgemeine Überseeforschung, Institut für Afrika-Kunde, Institut für Asienkunde, Institut für Iberoamerika-Kunde und Deutsches Orient-Institut). Es gehört der Leibniz-Gemeinschaft an; finanziert wird es vom Auswärtigen Amt und der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Forschungsschwerpunkte des DÜI sind gegenwärtig: 1. Legitimität und Effizienz politischer Systeme, 2. Gewaltdynamiken und Sicherheitskooperation, 3. Transformation in der Globalisierung.

Deutsches Übersee-Institut


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