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aerzte_ohne_grenzenBerlin. - In Kenia leben Zehntausende somalischer Flüchtlinge unter inakzeptablen Bedingungen in der Nähe von überfüllten Lagern. Ärzte ohne Grenzen forderte am Freitag in Berlin eine Umsiedlung in ein nahegelegenes Flüchtlingslager, das für Neuankömmlinge vorgesehen ist, aber seit zwei Monaten leer steht. Die Verhandlungen mit den Behörden über die Öffnung des neuen Lagers stagnierten, berichtete die Hilfsorganisation.

Das neue Flüchtlingslager Ifo II sei dafür vorgesehen, den unaufhörlichen Strom der Neuankömmlinge aufzunehmen, die vor dem Krieg und der anhaltenden Trockenheit aus Somalia fliehen, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Am 2. November 2010 hätten die Flüchtlinge umgesiedelt werden sollen. Zwei Monate später stehe das Lager jedoch noch immer leer, während Tausende unter prekären humanitären Bedingungen außerhalb der überfüllten Lager von Dagaheley und Dadaab lebten. Ärzte ohne Grenzen forderte die Verantwortlichen dringend auf, die sofortige Umsiedlung der Flüchtlinge aus den Lagern Dadaab und Dagahaley ins erweiterte Lager Ifo II zu ermöglichen.

Allein in den ersten beiden Januarwochen hätten nahezu 6.000 Flüchtlinge die gefährliche Reise von Somalia nach Dadaab auf sich genommen, so die Ärzteorganisation. Doch statt der erhofften Hilfe und dem nötigen Schutz müssten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen außerhalb des Lagers ausharren, während die Verhandlungen über die Eröffnung des neuen Lagers stagnierten.

"Die internationalen Mindeststandards werden nicht erfüllt. Die Flüchtlinge haben unzureichenden Zugang zu Wasser, Lebensmitteln, lebensnotwendigen Gütern und Unterkünften. Da es keine Latrinen gibt, sind die Menschen gezwungen, ihre Notdurft draußen zu verrichten, wodurch wiederum die Gefahr von weiteren Krankheiten steigt. Diese Krise trifft eine ohnehin schon geschwächte Bevölkerung, die von einem jahrelangen Krieg gezeichnet ist", berichtete Elena Estrada, Verantwortliche für humanitäre Angelegenheiten von Ärzte ohne Grenzen.

Schon im vergangenen November warnte Ärzte ohne Grenzen vor der eskalierenden Flüchtlingssituation in den Siedlungen außerhalb von Dagahaley, wo starke Regenfälle die provisorischen Unterkünfte und die Lebensmittelvorräte zerstört hatten. Die Sicherheit der Neuankömmlinge sei ein weiteres Problem, da die Mehrheit von ihnen Frauen, Kinder und ältere Menschen sind, die außerhalb der Lager kaum geschützt seien.

Die im Jahr 1991 errichteten Flüchtlingslager von Dadaab waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen für 90.000 Flüchtlinge geplant. 2008 galten die drei Lager schon als voll und konnten kaum noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Heute leben mehr als 308.000 Menschen in Dadaab. Nach Verhandlungen mit den lokalen Gemeinden, auserwählten Führungspersonen, der Provinzadministration und Mitgliedern des Parlaments, erhielt der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) im Jahr 2009 die Bewilligung, im Lager Ifo 80.000 zusätzliche Plätze zu schaffen. Im Juli 2010 entschied Ärzte ohne Grenzen, das Lager Ifo II mit der nötigen Gesundheitsversorgung zu unterstützen.

Im neuen Lager Ifo II warten nun die Hilfsorganisationen darauf, die Flüchtlinge in ein Gebiet mit sauberem Wasser umzusiedeln, wo der Zugang zu Sanitär- und medizinischer Versorgung und Schulen unter sicheren Bedingungen gewährleistet ist. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen ist seit vergangenem Oktober einsatzbereit, um Patienten in temporären Gesundheitsstrukturen zu behandeln, während noch ein 45-Betten-Krankenhaus gebaut wird.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt die somalische Bevölkerung seit 1992 und arbeitet seit März 2009 im Lager Dagahaley. Die medizinische Versorgung umfasst unter anderem Chirurgie und Geburtshilfe in einem Krankenhaus mit 110 Betten, Impfungen und psychologische Betreuung. Die Mitarbeiter führen durchschnittlich 10.000 Sprechstunden pro Monat durch.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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