fische_sprotten_150Rom. - Der weltweite Fischverbrauch ist mit durchschnittlich mehr als 17 Kilogramm pro Person auf eine neue Rekordhöhe gestiegen. Aber auch der Anteil überfischter und bis an ihr Maximum genutzter Fischbestände stieg weiter an - auf 85 Prozent im Jahr 2008. Dies geht aus dem Weltfischerei-Report der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hervor, der am Montag in Rom veröffentlicht wurde. Gleichzeitig schrumpfte der Anteil nur moderat genutzter Fischbestände von 20 auf 15 Prozent.

Fisch bleibt eines der meistgehandelten Nahrungsmittel. Der Wert der 2008 konsumierten Fischprodukte beläuft sich nach FAO-Angaben auf mehr als 102 Milliarden US-Dollar. Mehr als drei Milliarden Menschen beziehen mindestens 15 Prozent des tierischen Proteins, das sie aufnehmen, über Fisch. 540 Millionen Menschen, rund acht Prozent der Weltbevölkerung, verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei oder mit Aquakulturen. Doch auch die Überfischung der Meere habe einen Rekordwert erreicht, räumt die FAO ein.

"Der Raubbau in den Ozeanen setzt sich ungebremst fort - und gleichzeitig verlieren wir das Reservepotenzial", erklärte Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF Deutschland. Besonders alarmierendes Ergebnis des Zustandsberichtes: 32 Prozent der Bestände gelten nun als überfischt oder bereits zusammen gebrochen - ein noch nie erreichter Wert.

"Für ein Drittel der weltweiten Fischbestände gilt mittlerweile Alarmstufe rot", warnte Schacht. "Die Fischereiindustrie setzt mit dieser Entwicklung die Ernährungssicherheit der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die Gesundheit der Meere aufs Spiel." Die seit langem von Politik und Fischereiindustrie versprochene Trendwende sei ausgeblieben.

Im Jahr 2009 wurden der FAO zufolge weltweit 17,2 Kilogramm Fisch pro Kopf konsumiert, noch nie waren es mehr. Gleichzeitig lag die globale Fischproduktion bei 145 Millionen Tonnen. Die Menge des wild gefangenen Fischs stagniert jedoch seit Jahren, während der Anteil des Zuchtfischs mit 46 Prozent eine neue Höchstmarke erreicht.

"Nun ist es amtlich: Die Meere können den wachsenden Bedarf nach Fisch nicht mehr decken, fast jeder zweite Fisch kommt bereits aus Massentierhaltung", sagte Karoline Schacht vom WWF. Der WWF fordert daher, endlich den Zustand der Fischbestände in den Meeren zu verbessern, statt vorwiegend auf den Ausbau gewinnträchtiger, aber teilweise umweltgefährdender Aquakulturen zu setzen.

Hier sehen die Umweltschützer insbesondere die Europäische Union in der Verantwortung: Sie ist der weltweit größte Importmarkt für Fisch und Fischprodukte mit einem Wert von 32 Milliarden Euro im Jahr 2008 und weist zudem einen überdurchschnittlich hohen Anteil überfischter Bestände in den eigenen Gewässern auf. "Der neue Kurs der EU muss heißen: Vom Raubbau zum Wiederaufbau der Fischbestände", forderte Karoline Schacht. Mit den düsteren Zahlen vor Augen müsse die EU schnellstmöglich Erholungs- und Bewirtschaftungspläne für alle EU-Fischereien erarbeiten, als Herzstück der aktuellen Reform der europäischen Fischereipolitik.

Der FAO-Bericht bestätige zudem, dass Verbraucher neben einer hohen Qualität des angebotenen Fischs zunehmend auch Garantien für dessen nachhaltige Produktion fordern. Verbrauchern in Deutschland empfiehlt der WWF in seinem Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte, beim Einkauf auf Fische aus gefährdeten Beständen - unter anderem Thunfisch, Nordseekabeljau oder Rotbarsch - zu verzichten, während Alaska-Seelachs, oder Zuchtfische mit Biosiegel als empfehlenswert gelten.

gr. Foto: Fischer in Portugal © Wikimedia Commons / A. Frost

www.fao.org
www.wwf.de

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