fische_sprotten_150Bonn. - Die Fischerei-Minister der der norddeutschen Länder sollen sich bei der EU dafür einsetzen, dass die EU-Hochseeflotte auch außerhalb der europäischen Gewässer nachhaltig fischt und nicht die Nahrungssicherheit der Entwicklungsländer gefährdet. Das haben der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und Fair Oceans am Mittwoch anlässlich der Fischerei-Ministerkonferenz in Kiel gefordert. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die vor kurzem bekannt gewordenen Vorschläge für eine Reform der europäischen Fischereipolitik keine Lösungsansätze dafür enthalten, die Lage der Fischer zu verbessern", sagte Andrea Müller-Frank vom EED.

"Immer mehr ausländische Fischtrawler fischen in unseren Gewässern im Senegal. Es werden Lizenzen vergeben ohne Rücksicht auf die ökologischen und sozialen Wirkungen. Viele industrielle Fangboote dringen illegal in die für die Kleinfischerei geschützten Zonen ein. So werden wir Kleinfischer unserer Lebensgrundlage beraubt," erklärte Gaoussou Gueye, Generalsekretär des Westafrikanischen Fischereiverbandes. "Zukünftige Fischereiabkommen der EU müssen daher vor allem die Entwicklung unseres Fischereisektors fördern und nicht nur unsere Fischbestände beanspruchen", so Gueye.

Da inzwischen die Hälfte der Fischimporte in Europa aus Entwicklungsländern kommt, steigt die Verantwortung Deutschlands für die Lage der Fischerei in den Fangländern. "Die in Kiel versammelten Ministerien müssen sich für eine EU-Fischereireform einsetzen, die die Abhängigkeit Europas von Fischimporten reduziert und die europäischen Bestände in Nord- und Ostsee ökologisch nachhaltig wiederherstellt", so Kai Kaschinski von Fair Oceans. Die Küstenfischer an Nord- und Ostsee fordern eine Erweiterung der Schutzzone, die sie alleine befischen dürfen, von bisher drei auf zwölf Seemeilen.

"Gerade angesichts der aktuellen Hungerkrise in Ostafrika müssen auch die Fischereiministerien in Norddeutschland auf EU und Bundesregierung einwirken, dass die Reform der EU-Fischerei so ausgestaltet wird, dass auch in Zukunft die lebenswichtige Proteinquelle Fisch in den Entwicklungsländern für die Reduzierung von Hunger und Armut zur Verfügung steht und nicht billig auf den Tischen der Reichen landet", so Andrea Müller-Frank, EED-Expertin für Ernährungssicherheit. "Die Menschen in Westafrika sind wesentlich stärker vom Fisch als Eiweißquelle abhängig als die in Deutschland. Während bei uns der Anteil von Fisch und Meeresfrüchten am Proteinhaushalt bei etwa fünf Prozent liegt, beträgt er in Westafrika mehr als 25 Prozent."

EED und Fair Oceans fordern eine stärkere Beteiligung von Kleinfischern weltweit bei den Entscheidungen über Meeresschutz und Fangrechte, ebenso bei industriellen Meeresprojekten wie Erdölförderung oder Windenergieparks. Der bisherige Entwurf der EU-Fischereireform bleibe in seiner internationalen Dimension, was entwicklungspolitische Kohärenz, Transparenz und Partizipation betrifft, weit hinter den Ankündigungen der Fischereikommissarin Maria Damanakis zurück. Noch könnten die Fischereipolitiker in den Ländern und im Bund die entwicklungspolitischen Schwächen dieses Entwurfes in den nächsten Monaten ausgleichen. Dazu müsse man aber bereit sein, einigen EU-Mitgliedsländern mit großen Hochseeflotten, wie Spanien und Frankreich, Paroli zu bieten.


www.eed.de
www.fair-oceans.info

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