gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat mehr Engagement für den Frieden in der Westsahara gefordert. "In der von Marokko völkerrechtswidrig besetzten Westsahara droht ein neuer Krieg, wenn die internationale Gemeinschaft nicht neue Initiativen zur Beruhigung der Lage entwickelt", mahnte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Marokko hatte in dieser Woche neue Friedensgespräche abgelehnt. Das Königreich wird im Januar 2012 für zwei Jahre als nichtständiges Mitglied in den Weltsicherheitsrat einrücken.

"Mit großer Sorge verfolgen wir, dass immer mehr Sahrauis auf eine Wiederaufnahme des bewaffneten Freiheitskampfes dringen, da sich Marokko jedem konstruktiven Dialog verschließt. Der 1991 vereinbarte Waffenstillstand ist ins Wanken geraten", sagte Delius. Durch seine Wahl in den Weltsicherheitsrat sehe sich das Königreich offenbar ermutigt, das von den Vereinten Nationen vereinbarte Referendum über die Zukunft der Westsahara weiter zu verschleppen. Acht Verhandlungsrunden, die seit April 2007 unter UN-Vermittlung zwischen den Regierungen Marokkos und der Westsahara durchgeführt wurden, hätten keine Fortschritte bei der Lösung des Kolonialkonflikts gebracht.

Die Stimmung unter den 165.000 Sahrauis, die in Flüchtlingslagern in der Region Tindouf in Südalgerien leben, sei schlecht, berichtete die GfbV. Nach 37 Jahren der Vertreibung und des erzwungenen Exils mache sich Hoffnungslosigkeit unter den Flüchtlingen aus der Westsahara breit. "Dies ist ein idealer Nährboden für alle, die in weiteren Friedensgesprächen mit Marokko keinen Sinn sehen und auf eine Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes der Freiheitsbewegung Polisario drängen", warnte Delius.

Die Lage in Tindouf hat sich laut GfbV weiter zugespitzt, seit Samstagnacht drei Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus Spanien und Italien von Kämpfern der Terrorbewegung El Kaida im Maghreb (AQMI) entführt wurden. "Dadurch ist jetzt die humanitäre Versorgung der Flüchtlinge gefährdet, denn viele Helfer werden die Flüchtlingslager aus Angst vor weiteren Entführungen meiden", sagte Delius. Für die Sahrauis sei dies eine fatale Entwicklung, da sie auf die Unterstützung vieler kleiner humanitärer Organisationen angewiesen seien, um eine weitere Verelendung der Flüchtlinge zu verhindern.

www.gfbv.de

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