John GarangNew York (epo). - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Bevölkerung im Sudan dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. An die internationale Staatengemeinschaft erging der Apell, den Friedensprozess weiterhin aktiv zu unterstüzen. Im Sudan kam es am dritten Tag in Folge zu Unruhen, nachdem der Vizepräsident und ehemalige südsudanesische Rebellenführer John Garang am Samstag bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen war. In der Nacht auf Mittwoch kamen nach Angaben der Vereinten Nationen rund 20 Menschen ums Leben. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre hätten bewaffnete Nordsudanesen Racheakte gegen Südsudanesen in der Hauptstadt Khartum verübt, berichteten die UN-Mission im Sudan.

Nach der Nachricht vom Tod Garangs hatten vor allem junge Südsudanesen Autos in Brand gesetzt und Passanten mit Steinen beworfen. Die Behörden verhängten ein nächtliches Ausgehverbot in der Hauptstadt. Agenturberichten zufolge zogen am Dienstag Nordsudanesen durch die von Südsudanesen bewohnten Viertel der Hauptstadt Khartum. Bei den Unruhen am Montag kamen mindestens 36 Menschen zu Tode, 300 weitere wurden nach Angaben der Regierung verletzt.

Nach einem Bericht der UN-Mission im Sudan (UNMIS) plünderten Südsudanesen am Dienstag einen Markt in einem Außenbezirk Khartums. In einem anderen Vorort hätten Nordsudanesen eine Schule angegriffen und sechs oder sieben Menschen getötet, darunter auch Kinder. Im Südsudan sei die Lage dagegen ruhig.

Garangs Partei, die ehemalige Rebellenbewegung SPLM, erklärte in einem Aufruf an ihre Anhänger, ihr Anführer sei bei einem Unfall ums Leben gekommen. Es gebe keinen Verdacht auf ein Attentat.

Im Konflikt zwischen dem muslimischen Nordsudan und den Rebellen des Südens waren eineinhalb bis zwei Millionen Menschen getötet worden. Garang hatte die Rebellenbewegung SPLM im längsten Bürgerkrieg Afrikas zwei Jahrzehnte lang angeführt. Eine Ursache des Bürgerkrieges war der Versuch der sudanesischen Regierung, die islamische Rechtsprechung im christlich und naturreligiös geprägten Süden einzuführen, eine weitere der Streit um die Kontrolle der reichen Ölvorkommen in der Region.

Im Januar diesen Jahres hatten die sudanesische Regierung und die Rebellenbewegung SPLM im Südsudan nach langen und schwierigen Verhandlungen ein Friedensabkommen unterzeichnet. John Garang, der erst Anfang Juli als Vize-Präsident vereidigt worden war, hatte als Führer des Süd-Sudan daran maßgeblichen Anteil. Am 9. Juli wurde er zum Vizepräsidenten vereidigt. Garangs Nachfolger ist sein bisheriger Stellvertreter Salva Kiir Majardit.

 Vereinte Nationen


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