SudanKhartum (epo). - Die Zahl der Todesopfer bei den tagelangen Unruhen im Sudan ist nach Angaben von Hilfsorganisationen auf 130 gestiegen. Allein in der Hauptstadt Khartum seien 111 Menschen ums Leben gekommen, sagte der Einsatzleiter des Sudanesischen Roten Halbmonds, John Lobore. Auch in Juba und Malakal im Süden des Landes seien Menschen getötet worden. Anlass der Unruhen waren Gerüchte über einen möglichen Anschlag gegen den Vizepräsidenten und langjährigen Rebellenchef im Südsudan, John Garang.

Garang war am Samstag auf der Rückreise von Uganda durch den Absturz seines Hubschraubers ums Leben gekommen. Mit ihm starben 13 weitere Passagiere. Die Zeitung "Sudan Tribune" berichtete, der abgestürzte Helikopter habe nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprochen. Er hätte nachts nicht fliegen dürfen, und die Wetterbedingungen seien nicht vorschriftsmässig geprüft worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen ugandischen Journalisten.

Im Süden des Sudan haben unterdessen die Vorbereitungen für die Beisetzung des langjährigen Rebellenchefs begonnen. Hilfsorganisationen berichteten, die Versorgungslage in Juba sei sehr schlecht, nachdem es zu heftigen Unruhen gekommen und der Markt abgebrannt sei. Die frühere Rebellenorganisation SPLM erwartet zahlreiche afrikanische Staatschefs zu der Trauerfeier. Garang galt als Schlüssel-Figur für den Friedens-Prozess im grössten Land Afrikas.

Im Konflikt zwischen dem muslimischen Nordsudan und den Rebellen des Südens waren eineinhalb bis zwei Millionen Menschen getötet worden. Garang hatte die Rebellenbewegung SPLM im längsten Bürgerkrieg Afrikas zwei Jahrzehnte lang angeführt. Eine Ursache des Bürgerkrieges war der Versuch der sudanesischen Regierung, die islamische Rechtsprechung im christlich und naturreligiös geprägten Süden einzuführen, eine weitere der Streit um die Kontrolle der reichen Ölvorkommen in der Region. Im Januar diesen Jahres hatten die sudanesische Regierung und die Rebellenbewegung SPLM im Südsudan nach langen und schwierigen Verhandlungen ein Friedensabkommen unterzeichnet.


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