public_eye_awards_150Zürich. - Ende Januar vergeben die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz in Sichtweite des World Economic Forum (WEF) in Davos wieder die "Public Eye Awards" für die schlimmsten Fälle von Missachtung der Umwelt und der Menschenrechte. Nominiert für die Schmähpreise sind diesmal die sechs Großunternehmen Barclays (Großbritannien), Freeport McMoran (USA), Samsung (Südkorea), Tepco (Japan), Vale (Brasilien) und Syngenta (Schweiz). Auf www.publiceye.ch begann am Donnerstag die mit bissigen Werbeparodien animierte Abstimmung für den Publikumspreis 2012.

Im Rahmen einer Konferenz zur Preisverleihung am 27. Januar in Davos werde der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz über die globale Krise sprechen, kündigten die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz an. Auf der Konferenz werden die Empfänger des Global Award (Jurypreis) und des People's Award (Publikumspreis) "geehrt". Die Online-Abstimmung über das übelste Unternehmen des Jahres läuft bis 26. Januar. Auf der diesjährigen Shortlist stehen sechs Unternehmen, die eine Fachjury aus über 40 Nominationen von Nichtregierungsorganisationen ausgewählt hat:

Barclays, der viertgrössten Bank der Welt, werfen die Initiatoren von Public Eye vor, "weltweit wohl die schnellstwachsende Nahrungsmittelspekulantin" zu sein. Die Bank treibe die Nahrungsmittelpreise auf Kosten der Ärmsten in die Höhe. Allein im zweiten Halbjahr 2010 seien weltweit 44 Millionen Menschen durch steigende Nahrungsmittelpreise in extreme Armut gedrängt worden.

Zur Wahl steht auch der US-Minenkonzern Freeport McMoRan: Dieser betreibe von Arizona aus seit 45 Jahren "ohne Rücksicht auf Natur und Mensch" die weltgrösste Gold- und Kupfermine Grasberg in West-Papua. Täglich falle in der Mine 230.000 Tonnen mit Schwermetall verseuchter Morast an, der die Umwelt unter einer bis zu 15 Meter hohen alles abtötenden Schlammlawine begrabe, so Public Eye. Dadurch werde auch ein Weltnaturerbe bedroht.

Südkoreas Großkonzern Samsung ist nominiert, "weil es in seinen Fabriken teils verbotene, hochgiftige Stoffe einsetzt, ohne die Arbeiter zu informieren und zu schützen", so die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz. Mindestens 140 Arbeiter seien deshalb an Krebs erkrankt, mindestens 50 junge Arbeiter daran gestorben. Samsung streitet trotz klarer Beweislage seine Verantwortung ab und diskreditiere die Erkrankten und Verstorbenen samt ihrer Angehöriger öffentlich.

Der grösste japanische Energiekonzern Tepco ist durch die Atomkatastrophe von Fukushima zu trauriger Berühmtheit gelangt. Der Konzern habe "wider besseren Wissens aus Kostengründen die bauliche Sicherheit seiner Atomkraftwerke stark vernachlässigt", lautet der Vorwurf von Public Eye. Der GAU von Fukushima und die radioaktive Verstrahlung von Mensch, Land und Meer hätte von Anfang an verhindert werden können, erklärten die NGOS.

Der fünfte nominierte Vale (ehemals Companhia Vale do Rio Doce) ist der zweitgrösste Konzern Brasiliens und weltweit einer der größten Minenkonzerne und Eisenerzproduzenten. Der Konzern habe "eine 60-jährige Geschichte, in der immer wieder Menschenrechtsverstösse, unmenschliche Arbeitsbedingungen und rücksichtslose Naturausbeutung vorkommen", so die Veranstalter der Public Eye Awards. Momentan beteilige sich Vale am Bau des Belo-Monte-Staudamms im Amazonas. Dieser habe voraussichtlich 40.000 Zwangsumsiedlungen zur Folge, die Betroffenen bekämen weder Mitsprache noch Entschädigung. Eine Fläche so gross wie der Bodensee würde unter Wasser gesetzt - mit verheerenden Auswirkungen für die indigene Bevölkerung sowie für Flora und Fauna.

Der Schweizer Agrochemie- und Saatgut-Produzent Syngenta vermarkte "weiterhin aggressiv das hochgiftige Herbizid Paraquat", begründen die Erklärung von Bern und Greenpeace Schweiz die letzte Nominierung. Damit schädige er in den Ländern des Südens die Menschen. Unzählige von Bauern seien beim Einsatz der Produkte gestorben oder hätten schwere Vergiftungen davongetragen. Das Syngenta-Pestizid Atrazin habe 90 Prozent des Wassers im mittleren Westen der USA vergiftet. Der Konzern führe in diesem Zusammenhang "Schmierkampagnen gegen einen kritischen Wissenschaftler und versuchte, diesen mundtot zu kaufen", so Public Eye.

www.publiceye.ch

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